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Ich würde gerne wissen, was ich gemeint hab, als ich in mein Notizbuch schrieb:
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Ütjedommt vom Leben.

 
Viel zu früh und viel zu schnell über eine Abkühlung im Wetter gefreut. Es ist Mai, Herrgott.

Allein schon wegen der vocodierten „Time does not stop“-Zeile in Vesica Pices die Tracks von De Facto lieben.

Gestern Abend ist etwas mehr als Unheimliches passiert. Ich ging schon recht unheimlich durch meine Siedlung, denn dank Headset kann ich handsfree telefonieren und spreche für andere Spaziergänger oder Leute, die den lauen Abend in G. auf dem Balkon genießen, ins Leere und muss dadurch unheimlich wirken. So gehe ich jeden Abend wie ein Geist durch meine Siedlung, in der die BMW-Dichte immer mehr zunimmt. Aber als ich so den E.-Berg hinaufging, Naturschutzgebiet und ehemaliges militärisches Gelände mit Lebensgefahrwarnung hinter mich lassend, ins Gespräch vertieft, da tippelte und tapste mir der Frosch aus meinem Traum über den Weg. Ich blieb stehen und schaute zu, wie er seelenruhig meine Schritte kreuzte. Ich lief nicht um die Wette mit ihm, wie in meinem Traum, und auch war noch mehr Tageslicht übrig, dennoch war es unfehlbar er, der Frosch aus meinem Traum. Frosch, sagte ich, Frosch Frosch Frosch.

„The dreams in which I’m dying are the best I’ve ever had.“
TEARS FOR FEARS „Mad World“

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich mit einem Frosch um die Wette laufe. Der Frosch ist schön und hüpft neben mir, es ist eigentlich eher so, dass wir gemeinsam joggen.
Danach treffe ich in einer Art Gasthaus auf V., er sieht aus wie der V. aus der Schulzeit, mit langen Haaren und Lederjacke (so wie auch M.). Ich erzähle ihm von dieser einen tollen Stelle aus der M.I.-Kassette, die ich so toll finde und immer wieder höre, und er erzählt mir von einem Lied von mir, das er immer wieder hört, er singt es mir sogar vor.
Danach ist Pause, aber ich bin in der Gegend des B.-Ring, also viel zu weit weg vom Schulgelände und ich grabe im Boden nach etwas. Dabei höre ich Musik und merke plötzlich, dass der Jog von meinem mp3-Player abgbrochen ist, er wackelt wie ein lockerer Zahn. Ich denke aber, dass ich auch ohne Jog das Menü des Players steuern kann. Ich finde beim Graben ein altes Foto von mir, es ist mit Erde bedeckt und ich denke: das ist ein schönes Motiv, das möchte ich mit meinem Mobiltelefon fotografieren. Ich wische immer wieder mit meiner Hand über die Erde auf meinem Foto, aber die Erde lässt sich nicht wegwischen. Ich merke, dass es für das Fotografieren eigentlich schon zu spät ist, ich muss wieder zurück in den Unterricht und laufe zurück zur Schule. Aber ich lande bei der Grundschule und stehe draußen, als vor dem Gebäude Getreide gemäht wird. Es wird aber nicht von einem Mähdrescher gemäht sondern von einer Art Transformer-Version eines Mähdrescher, wie aus dieser Transformer-Auto-Werbung (mir fällt die Marke jetzt nicht ein), es führt eine Art Performance, eine Art Tanz beim Mähen auf, und der Abschluss ist die Abladung des gemähten Getreides in einem Silo, und der „Bauer“ (der aber Mitarbeiter der Schule ist, wie ich im Traum weiß), bekommt danach einen Applaus von Leuten aus dem Schulgebäude und vor dem Schulgebäude, die dem Ganzen aufmerksam zugeschaut haben. Ich bin also zu spät und laufe nun vor der Schule weg, habe dabei Röhrenhosen an, Stoff oder Jeans, das weiß ich nicht, und immer wieder klemmen sich meine Füße beim Laufen unter meinen Oberschenkeln fest und irgendwann stolpere ich und schleife mit Knien auf dem Boden, dabei bin ich an einem Bahnsteig angelangt und drohe nun, von einer anfahrenden Straßenbahn überfahren zu werden. Ich kann mich noch auf den Bahnsteig retten und rutsche dabei aber auf die andere Seite, an der es steil bergab geht in eine Siedlung. Plötzlich sehe ich: dort liegen Sachen von mir, Sachen, die ich in meinen Jackentaschen mit mir herumtrage, oder in meinen Umhängetaschen. Dann fällt mir ein, dass ich vor einer Woche auch hier gestürzt bin und damals Sachen verloren hatte. Aber ich hatte damals gedacht, alle Sachen wiedergefunden zu haben, was wohl nicht so war. Je mehr ich um mich schaue, desto mehr Sachen tauchen auf, die ich dort verloren habe, z.B. die Armbanduhr, die ich von K. zum Geburtstag bekommen habe, sie liegt dort drei Mal, und ich frage mich, wie viele von diesen Uhren ich gehabt habe. Aber dort liegen auch Brillenetuis und Kassettenhüllen und lauter Sachen, die ich irgendwann einmal in meinen Taschen getragen habe. Plötzlich wird mir klar: ich habe diese Sachen nicht vor einer Woche hier verloren und erinnere mich erst jetzt daran, sondern ich bin vor einer Woche hier an dieser Stelle gestorben.
Die Straßenbahn hat mich überfahren und beim Aufprall Sachen von mir überall hin verstreut, die man danach nicht alle hat finden können. Ich als Geist finde sie nun.

Zum ersten Mal fliege ich wieder in einem Traum, endlich einmal wieder. Ich fliege eine Brücke entlang, vielleicht ist es ein Abbild der Golden Gate Bridge, es ist diesig, neblig, wie in vielen meiner aktuellen Träume. Und ich lebe in der Gegenwart in diesem Traum. Auch wie in so vielen Träumen zur Zeit. In dieser Gegenwart ist alles seltsam vermischt. Die wichtigen Personen meines bisherigen Lebens tauchen alle dort auf, meist sind sie Karikaturen ihrer selbst.
Und ich bin eine Karikatur meiner selbst.
Ich fliege also diese Brücke entlang, ihrer höchsten Aufhängung entlang, aber ich bin nicht frei im Fliegen, ich fliege wie an einer Schnur. Eigentlich fliege ich wie John Mullins in SoF II, wenn ein neues Level anfängt. Dabei höre ich Musik über meinen mp3-Player, es ist eine Band namens 72 AND AGAIN, und ihre Lieder klingen in meinen Ohren total gut. Ein großer Wandel hat in meinen Träumen stattgefunden, die Uni hat die Schule als Lehreinrichtung abgelöst, aber die Probleme sind dieselben geblieben. Ich versage auf ganzer Linie an allem. Ich habe falsch gewählt, komme zu spät weil ich meine Seminare und Vorlesungen nicht kenne, und finde die Räume nicht. Ich treffe M., der noch wie vor 6 oder 7 Jahren aussieht, und, wie im wirklichen Leben, versucht er, mich wieder mit dem Geist der Geisteswissenschaften – der mir im wirklichen Leben und im Traum abhanden gekommen ist – zu befruchten. Wir stehen in einem Hörsaal und gleich soll eine Vorlesung von Prof. Dr. Z. anfangen, bei dem ich in diesem Semester keine Vorlesung habe, und alles ist erschreckend nüchtern in meinem Traum. Es ist, als hätte sich das Setting meiner Träume geändert, nur die Besetzung bleibt dieselbe und erweitert sich.

Jetzt muss er nach Wallbrook.

Die dritte Rezension. Die dritte Dimension.
Pop-Bands, Bands, die populäre Musik machen, in der alten klassischen Unterscheidung, entwickeln sich weg und bleiben trotzdem nah am Pop stehen. Diese sehr holprige Formulierung soll mir helfen, einen Weg durch die Bedeutung oder Bedeutungslosigkeit eines Albums wie „In Rainbows“ zu finden. Für jeden einzelnen Hörer hat das Album irgendeine Bedeutung. Die gewinnt es durch die durch Schallwellen bewegte Luft (also bewegte Luft durch bewegte Luft) und durch die Verarbeitung dieser Schallwellen in den Köpfen der Hörer. Ich glaube, dass Leben (nicht unbedingt und ausschließlich biologisch) durch Veränderungen und Prozesse erschaffen wird. Wenn Leben im Gegensatz zum Tod der einzig kulturell unerklärbare Trieb im Inneren des Menschen ist, neige ich dazu, allem was also nach dem Leben strebt, eine positive Bewertung zuzuschreiben. Komplizierter Klumpatsch um eine Erklärung für meine Begeisterung und mein Gefühl zu beschreiben, wenn ich „In Rainbows“ höre. Radiohead schaffen es, in hohem Maße Prozesse und Stillstände festzuhalten und abzuspeichern. Gute Musik ist eine exakt genaue Mischung zwischen Gefühl und Wissen. Für den aufgeklärten Hörer natürlich. Ich komme nicht durch alle Ebenen bei Radiohead hindurch, aber das macht nichts. Dieses Album ist, wie die vorherigen vier Alben von Radiohead auch, exakte Fotografie der Gegenwart und Gemälde der Zukunft. Es verweist nach hinten, umarmt das Umunsherum und richtet den Blick nach vorne. Und dabei bleibt es Musik; Schlagzeug, Gitarren, Bass, Keyboards, Produktion. Kunst in seiner höchsten Form, in der Pop-Musik noch viel seltener zu finden als auf der Bühne (gemessen an Quantität), wird von Radiohead betrieben. Sie so zu beschreiben ist widerlich, und läse ich diesen Artikel von jemand anderem würde ich angewidert weiterklicken/–blättern.

Als ich 11 oder 12 Jahre alt war, wollte ich mit meinem Großcousin G. die „kleine Aue“ sauber machen, ein Flüsschen hinter unserer Wohnsiedlung. Wir mochten die „kleine Aue“ als Ort der Ruhe. Das haben wir als Kinder natürlich nicht so gesehen und nicht so benannt, aber es war so. Bis vor kurzem konnte ich dort noch immer hinfahren und mich auf die Bank setzen und alles was passiert und passiert ist, vor meinem Auge vorbeiziehen lassen. Die „kleine Aue“ bot einen Schutz im Denken, denn hier war ich als Kind zum Spielen, später zum Rumhängen und Fahrrad fahren und noch später zum Küssen. Dort stand ich mit G. an der Brücke, dort lagen wir mit V. und O. auf der Straße – es fuhr eh nie ein Auto dort vorbei, darf man nämlich auch gar nicht, A. macht es aber trotzdem – und stellten uns vor, wie schön es wäre, ein Mädchen in unserer Clique zu haben.
Wir haben also damals einen ganzen Nachmittag damit verbracht, Müll aus der Aue herauszuräumen und uns danach gut gefühlt. Jetzt hat die Stadt den Verlauf der „kleinen Aue“ geändert und sie aus ihrem ursprünglichen Bett in ein künstlich geschlängeltes Bett verlegt, damit es natürlicher aussieht. Die Straße ist noch da, das Brückengeländer ist aber weg, und sie fließt nun woanders lang. Und ich bin glücklich und traurig zugleich. Glücklich, weil ich froh bin, dass sich die Dinge in dieser Stadt verändern, und traurig, weil ich nun nur noch Bilder in meinem Kopf von der alten „kleinen Aue“ habe.

eben eben eben genau genau genau

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich mich in meinem eigenen Kopf befand und dort herumlief. Mein Kopf war ein wenig wie ein Amphitheater aufgebaut, mit Sitzreihen aus Steinen, die aber alle riesig waren, und die in zwei Halbkreisen angeordnet waren, die sozusagen die linke und die rechte Seite meines Kopfes beschrieben/markierten. Die meisten dieser Stufen waren leer, vereinzelt saßen dort Menschen und schauten auf den Boden (der wohl sozusagen mein Mundraum und mein Rachen war). Ich lief durch meinen eigenen Kopf hin und her und erblickte auf einer der höheren Stufen V., der dort saß und im selben Moment wurde mir die Absurdität der ganzen Situation bewusst und dann auch, dass dies ein Traum sein musste. Also ging ich zu V. und sagte zu ihm: „Was machst du hier in meinem Traum?“ Er fing an zu lachen und antwortete nicht auf meine Frage, und ich wusste, dass ihm das irgendwie nicht möglich war, eben weil es ein Traum war. Aber ich fragte ihn immer wieder und wieder: „Was machst du hier in meinem Traum?“ Irgendwann sagte er dann lachend: „Ich hab Überfluss, Mann.“

Gestern Nacht habe ich geträumt, dass ein von einer Künstlerin im Traum entworfenes Horrorszenario für mich Wirklichkeit wurde. Das kam so: Ich war in meiner alten Schule und bekam von zwei Dozenten des letzten Semesters künstlerische Arbeiten und Werke meiner Kommilitonen gezeigt und erklärt. Dabei gingen wir durch den Schulflur und dort waren die Arbeiten ausgestellt. Die Dozenten zeigten darauf und erklärten: damit war dies gemeint, damit war jenes gemeint. Es war so, dass dann plötzlich in einer Reihe in dem Schulflur Gäste/Zuschauer saßen, alle mit schwarzen Hosen und weißen Hemden bekleidet, und einer dieser Gäste meldete sich und stellte die Frage nach einem der Kunstwerke und aus unerfindlichem Grund war das Anlass zu einem Wutausbruch der Dozenten. Die Erklärung des Kunstwerks war folgende: die Welt löscht sich nach und nach aus, stirbt, und das erste was passiert, ist, dass überall die Lichter erlischen. Auf den Straßen, in den Häusern, überall. Und nach und nach verschwinden die Menschen. Später stand ich dann in einer Straße an einer Bushaltestelle, wartete auf meinen Bus, es war winterliches Wetter, und ich dachte über dieses unheimliche und starke Kunstwerk nach. Ich war unendlich begeistert davon, dass sich ein Künstler getraut hatte, ein solch unheimliches im Sinne von gruseliges Kunstwerk zu erschaffen, und in dem Moment begann das Kunstwerk Wirklichkeit zu werden. Ich stand an der Straße und schaute nach rechts, dort stand eine Straßenlaterne, die erlosch, dann schaute ich nach links, dort standen Straßenlaternen, die nach und nach erloschen, und plötzlich verschwanden die Straßen und die Häuser und ich wusste, dass ich entweder ebenfalls verschwinden würde oder als einziger Mensch allein auf irgendeiner Ebene weiterleben würde, was ich nicht wollte. Also stöhnte ich mich aus diesem Albtraum wach.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich im Traum A.W. einen Traum erzähle. Ich treffe ihn in einem Gebäude, das wie eine Mensa aussieht. Der Traum, von den ich ihm erzähle, geht: Ich habe geträumt, du würdest in diesem Semester ein Seminar über Clowns im Film abhalten, und die Studenten liegen in einer Art Bett, während du das erzählst, unter einer Decke, aber es fühlt sich auch so an, als würde man in einer Badewanne mit Wasser liegen, und während du vom Thema erzählst, spürt man Menschenteile unter der Bettdecke in diesem seltsamen Badewasser, und das sind alles Teile von Clowns. Ich melde mich dann und will von „ES“ erzählen, weil da auch ein Clown vorkommt. Während ich im Traum A.W. diesen Traum erzähle, lacht er sich darüber kaputt, was ich für einen Quatsch träume.

VORAB

Auch wenn ich noch keinen dritten Teil zum Radiohead-Album „In Rainbows“ geschrieben habe, die abschließende Rezension also noch aussteht, so will ich dennoch mit dem neuen Portishead-Album ähnliches versuchen. Diese Woche erscheint das neue Album „Third“, und ich habe jetzt schon so viel darüber gelesen, dass ich mir unglücklicherweise ein Urteil gebildet habe, oder es konnte und es dann leider auch passiert ist. Dies wird es nun zu bestätigen oder zu widerlegen gelten. Teil 1 der - wiederum - dreiteiligen Rezension folgt nun hier im Anschluss, Teil 2 dann nach dem Hören und Teil 3 irgendwann.
Die Beiträge zum neuen Portishead-Album überschlagen sich vor sehr intelligenten und geschickten Lobhudeleien und überall wird das Album ein bisschen anders beschrieben. Widmen wir uns einmal zwei großen Musikmagazinen (und versuchen, ein bisschen Musikmagazindiskursanalyse zu betreiben). Wenn ich das richtig verstanden habe, meint die VISIONS, das Album wäre größtenteils unhörrbar, so sperrig und knarrig und versponnen und verschroben klängen die Songs. Alles klingt so kalt und unzugänglich, dass man sich am liebsten gleich ein Kabel nehmen will. Ganz im Gegensatz zur SPEX, die behauptet, das Album wäre eingängig. Sie bringen übrigens den sich am schönsten (irgendwie) anhörenden Vergleich, den ich je gelesen habe. Früher hätten Portishead wie schwarzweiß geklungen, jetzt klingen sie wie durch CCTV-Monitore oder so ähnlich. Medienwissenschaftler wissen, was ich meine.
Ich selbst frage mich, inwiefern es im Interesse der beiden Magazine liegt, die eine oder andere Sache zu behaupten. Mal ganz abgesehen, wie das Album dann letztendlich für mich klingt, der ich noch keinen einzigen Ton davon gehört habe.
Finde ich nun durch eigenes Hören heraus, Portishead haben ein durch und durch uninteressantes Album gemacht, werde ich auch das Schreiben der SPEX neu bewerten. So kann ich dann nämlich sagen, dass die SPEX wahrscheinlich nicht von Portishead lassen will, und dass 10 Jahre warten einfach keinen Verriss erlauben. Nach 10 Jahren und zwei vorherigen maßgeblichen Alben muss einfach wieder etwas Maßgebliches kommen, da kann man nicht verreißen. Sollte das Album in meinen Ohren wirklich großartig sein, so werde ich wiederum zu dem Schluss gelangen, dass die SPEX immer großartiger wird.
Nun zur VISIONS. Die VISIONS sichert sich mit dem Unhörbar-Siegel eigentlich geschickt ab, denn egal wie das Album dann letztendlich für mich klingt, ich werde immer denken: na ja, die VISIONS hatte zumindest irgendwie recht. Und das ist, glaube ich, auch die erkennbare Strategie und das, was man am ehesten für diese beiden Magazine sagen kann: die einen wollen Stellungung beziehen, auch wenn sie damit baden gehen, die anderen lassen sich lieber ein Hintertürchen auf, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht oder eher sogar umgekehrt.
Was bedeutet das nun zum eigenen Portishead-Verständnis/Kosmos? Egal, wie das Album klingen wird, und da bin ich ganz wie bei Radiohead, ich werde es als wichtigen Part in der Musiklandschaft lesen können und mir meinen Reim darauf bilden. Ist es gut, ist es gut. Ist es schlecht, auch gut.

Mir hätte die Wichtigkeit von Medialität schon lange vor Beginn meines Studiums auffallen müssen, und zwar am Beispiel meiner Handschrift oder meines eigenen Schreibens an sich. Meine Handschrift ist in höchsten Maße davon abhängig, welchen Stift ich in der Hand halte, oder auf welchem Material ich schreibe. Und überhaupt: ich kann eigentlich gar nicht mehr mit der Hand schreiben.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich in einem Gewächshaus war und dort an einem künstlichen angelegten Fluss stand, der durch ein metallenes Rohr verlief. Ich hielt den Fluss für einen natürlichen Fluss und wollte ihn mit einem eckigen Glasbehälter reinigen. Ich hielt diesen Glasbehälter ins Wasser und wollte Dreck abschöpfen. Dabei sah ich, dass der Dreck, der sich in dem Behälter absetzte, wie natürlicher Flussboden aussah, und ich dachte: Eigentlich wäre dieser Behälter perfekt, um ein Aquarium daraus zu machen. Ich stellte mir dann vor, wie in diesem kleinen Glasbehälter Fische schwimmen, ganz kleine Fische.

Als ich zuletzt in einem Club (Disco sagt man auf keinen Fall mehr, man sagt Club, egal welche Musik gespielt wird) stand und in Erwartung eines guten Lieds zum Tanzen schon die Auf-die-Tanzfläche-stürmen-Haltung angenommen hatte, fiel mir zum ersten Mal so richtig auf, dass ich alt bin. Nicht nur, dass ich dort zwei Stunden lang in dieser Position ausharrte, bis mal ein Lied lief, das ich kannte, nein, vor mir stürmten Kids die Tanzfläche und reckten und rissen ihre Arme in die Luft, als hätte es noch keine Rockrevolution gegeben und gingen haufenweise zu einer Reihe an stinklangweiligen Rocksongs ab, denen allen der Muff der Stagnation und des Konformismus anhaftete. Glatt produzierte und makellosgemasterte 08/15-Rocksingles, die alle nur eins vermittelten: hier bei uns gibt es keine Innovation, hier wird nur gerockt. Da bleibt aber nicht viel übrig. Mir graute es bei dem Gedanken, dass dies wahrscheinlich all die Bands waren, über die man allerorten Lobeshymnen liest und die dann so wenig von dem halten, was sie versprechen. Und diesen Artikel hier zu schreiben, ist in etwa so uncool, wie sich an solch einem Abend Bands wie... na ja, ich lasse es lieber. Das ist eine Entwicklung, die ganz klar die Rockevolution mit sich bringt. Die Alten werden nun einmal aussortiert und ziehen sich mit ihren Alben aus der uncoolen Vergangenheit (in meinem Fall die 90er und auch ein bisschen die 80er) zum Sterben zurück. Und aufregen müssen wir uns auch über den Nachwuchs, damit der was zum Scheißefinden findet. Gefällt mir eigentlich ganz gut, zu fühlen, dass ich das angesagte Zeugs der Kids scheiße finde und mich darüber aufrege.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich im Auto meiner Schwester sitze; es ist das Auto, das sie 1996 hatte, und ich kann nicht damit fahren. Ich versuche andauernd einen Gang einzulegen, aber es geht einfach nicht. Dann wird das Auto zu einem Fahrrad und ich gehe einen Schleichweg durch eine Siedlung. Dort ist ein Mann in einer Haustür, der in den Eingang einen kleinen Stapel Duplos gelegt hat, und anfängt zu erzählen, warum er das tut. Ich will eigentlich schnell weiter, merke aber, dass der alte Herr das Bedürfnis hat zu reden, und er berichtet mir davon, in der Nacht seien Tiere an sein Haus gekommen, und die Duplos lege er aus, damit sie was zu essen haben.
Und später bin ich zuhause, in der 16 wie immer, und plötzlich ist auch D.S. da, meine Geschwister umarmen ihn und herzen ihn und ich frage mich: wieso kennen die den, den habe ich doch erst im Studium kennengelernt.

Ich finde den Gedanken, nie nie nie wieder ein Wort zu sagen, sehr reizvoll.

 
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