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Guilty feet have got no rhythm.

 

Durch Schall und Rauch

Am 30. Dezember 1997 fuhr ich mit Pluswit und O. in den Dome. Damals hatten wir einen Stammplatz im Dome, im Tanzraum auf den großen Stufen. Dort saßen wir auch an dem Abend. Meistens saßen wir dort den ganzen Abend über, 4 oder 6 Stunden, bis wir dann nach Hause fuhren. An dem Abend zwischen den Jahren kamen auch irgendwann meine Ex-Freundin, mit der ich ein paar Wochen zuvor Schluss gemacht hatte, und ihre Freundin. Meine Ex saß fast den ganzen Abend neben mir und wir redeten über völlig belanglose Dinge. Nachdem Pluswit schon anfing, die ganzen Leute zu verarschen, er schmiss kleine Holzteile auf sie, wollten wir um 1:30 Uhr fahren. Vorher war ich aber mit meiner Ex nach draußen gegangen, um mit ihr zu reden. Ich wollte mehr wissen und fragte sie, wie es ihr geht. Sie sagte sehr ehrlich, dass es ihr nicht gut ginge und sie nicht mehr viel auf die Reihe bekäme. Ich sagte ihr, dass es bei mir genauso sei und auch, dass ich sie vermisse. Ein bisschen. Wir umarmten uns und sie sagte: „Ich will nicht, dass du fährst.“ Aber bevor ich noch irgendeinen anderen Fehler begehen konnte, wie z.B. sie zu küssen, sagte ich: „Ich fahre jetzt.“
Wir fuhren also nach Hause, und als wir in E. waren, sagte ich, dass ich noch rumfahren wollte. Pluswit und O. wollten auch mit. Als wir dann durch L. gefahren waren, und wieder in E. waren, sagte ich: „Ich fahre jetzt wieder in den Dome. Ich habe keine Lust, schon nach Hause zu fahren.“ Pluswit schlief allerdings schon auf dem Rücksitz und flippte beinahe aus. O. sagte: „Ach, scheiß drauf, ich fahr mit.“ Also setzten wir Pluswit zuhause ab und fuhren in den Dome. Als wir ankamen, war es viertel vor drei. Wir gingen rein und ich sah sofort meine Ex und ihre Freundin. Bei ihrer Freundin merkte ich sofort, dass sie stockbesoffen war, bei meiner Ex merkte ich es erst später. Aber sie war stockbesoffen. Das merkte ich, als sie sich mit G. unterhielt. Der war anscheinend auch noch irgendwann in den Dome gekommen. Ich war dann auch ziemlich sauer auf sie, weil ich es auch schon damals nicht leiden konnte, wenn Frauen sich so komplett abschießen. Sie sagte mir, dass sie auch nüchtern geblieben wäre, wenn sie gewusst hätte, dass ich noch mal wiederkomme.
Irgendwann sagte sie dann, sie wolle jetzt nach Hause trampen. Das hat sie damals ziemlich oft gemacht. Ich wollte das natürlich nicht zulassen und sie nach Hause fahren. Daraufhin lief sie raus und ich ihr hinterher. Sie wollte mich vertreiben und schlug nach mir, aber ich ließ nicht von ihr ab. G. holte seinen Golf, während ich sie weiter überredete und wir setzten sie ins Auto, O. und G. saßen vorne und meine Ex und ich hinten.
Als wir sie zuhause abgesetzt hatten, fuhren wir zu dritt zurück in den Dome und gingen noch mal rein. Da war es halb fünf. Zwanzig nach fünf lag ich in meinem Bett und schlief um sechs Uhr ein.

Meine Devise an dem Abend war: bloß nicht aufhören. Hätte ich aufgehört zu trinken, dann wäre der Punkt des Hangover noch in der Nacht gekommen. Also trank ich noch das 13. und das 14. Bier, damit insgesamt ca. 4,5 l Bier in mir, ca. 2 Promille Blutalkohol und torkelte dann durch die Gänge des Dome. In so einem Zustand schmeckt man keine Zigarette mehr, die man raucht, obwohl man immer mehr rauchen will, und sich anstatt dessen hinlegen und einschlafen geht auch nicht, weil man ja noch unterwegs ist und sich ansonsten so ein extremes Schwindelgefühl einstellt, dass man sich übergibt.
Am nächsten Abend will ich weitermachen, weiter trinken, denn das ganze Wochenende habe ich über nichts nachdenken müssen, mich nur mit Kater und der Vorbereitung aufs nächste Trinken beschäftigt. Also rufe ich D. an, um ihn zu fragen, ob er mich mitnimmt.
„Nein“, sagt D., und ich verstehe zuerst nicht ganz. D. scheint aufgeregt. „Ich habe keine Lust mehr, dich mitzunehmen, weil du dich wieder rücksichtslos betrinken wirst und dann so eine scheiße Laune verbreitest, darauf habe ich einfach kein Bock mehr.“ Ich merke, dass bemerkt wird, wie viel ich trinke und lasse es deswegen an dem Abend sein.
Die erste nüchterne Erfahrung seit langem im Dome stellt die Weichen für die nüchternen Headful of Rocks alle zwei oder drei Wochen. Ich fange an, die Klarheit zu genießen, die Songs verfolgen zu können und mit den anderen im Dome wieder reden zu können.

Am 15. Februar 1997 fuhr ich zum 1. Mal in den Pleasuredome nach Oppenwehe. Eine von Bekannten viel erwähnte, angeblich alternative Disco. Ich war 19 Jahre alt, wusste nichts vom Ausgehen, meinte aber viel von Musik zu wissen, und war ansonsten gegenüber Discos eher anti eingestellt. Das änderte sich an dem Abend, und bis ich im August 2004 wegzog, war ich ca. 500 Mal im Pleasuredome, oder Dome, gewesen. Als der Laden jetzt am 7. Januar 2006 zum letzten Mal aufhatte, verhielten sich die meisten unberührt. Viele hatten es auch nicht mehr „geschafft“ zu kommen. Ich verstehe das nicht so ganz.
Eigentlich hatte ich schon vor Weihnachten vor, etwas über den Dome zu schreiben. Aber mir fiel nichts Gescheites ein. Auch jetzt fällt mir nichts ein, zumindest keine intelligente Zusammenfassung von über 7 Jahren Ausgehen, also folgen hier in Zukunft unter der Rubrik „Durch Schall und Rauch“, die nur durch den Dome entstanden ist, Geschichten und Entwicklungen, an die ich mich noch erinnern kann.
Einen kleinen Bericht über die Schließung des Domes kann man sich hier anschauen.

K., K.2, N., A. und ich stehen draußen im Biergarten und zum 3. Mal wird das Thema Trunkenheit am Steuer im weitesten Sinne besprochen. Es geht eher um die Bestrafung desselben.
K.: „Die Bullen sind heiß. Ich würde aufpassen.“
Ich: „Kann mir ja egal sein, wenn A. betrunken fährt.“
K.: „Ja, aber dann bist du deinen Führerschein auch los.“
Ich: „Was?!“
N.: „Ja, da hab ich auch schon von gehört. Die Polizisten sagen dann, dass du den Fahrer hättest abhalten müssen und nicht in ein Auto einsteigen dürfen, bei dem der Fahrer betrunken ist.“
Ich kann es irgendwie nicht glauben.
K.2: „Der Freund eines Freundes ist Bullensohn. Die haben Extrawagen angefordert.“
Später werden wir von M. aus dem Biergarten geschmissen.

Der Kopf auf dem Tresen, oder die Füße hoch auf einer der Sitzbänke, der Mund leicht offen – kurz vorm Sabbern, die Augen geschlossen, es ist 21:59 Uhr...
Die dazugehörige Aktion:
von 20 bis 22 Uhr Warm Up! Buy one – get two!
Im Laden meines Vertrauens.

Die wollen alle ihre alten Bekannten gar nicht mehr sehen. Die puppen sich ein. K. sagt zu D., dass er sich nicht so anstellen soll, doch D. ist versumpft. Das ist schon länger her. Gestern kommt er dann, aber ich sehe ihn nicht, denn ich bin ja selbst nicht da. Wenn man so will, dann hat er mehr als 6 Wochen gebraucht, um die 50 Meter von seinem Haus bis zum PD zu gehen. Ein Phänomen dem ich gerne folgen würde, doch die Umstände erlauben es mir nicht. F. sagt zu A., dass er sich schon unser erstes Cover vorstellen kann, und ich sagte zu F. am letzten Freitag, dass A. und ich eine Idee für einen Bandnamen hätten. Als ich ihn F. verrate, sehe ich Ehrlichkeit aus seinem Gesicht strahlen. Und auch, dass alles neu ist.

Er (10:09 PM) :
übrigens werde ich im nächsten jahr auch umziehen
Ich (10:12 PM) :
Sorry, war gerade weg... wohin?
Er (10:12 PM) :
direkt nach ilmenau
Ich (10:12 PM) :
Warum?
Er (10:14 PM) :
weil ich dann nicht immer so schnell von den partys verschwinden muss bzw. die clubs so schnell verlassen muss

A. hat Geburtstag und wir unterhalten uns ein bisschen über übliche Fragen, die von manchen immer noch ernsthaft an Geburtstagen gestellt werden: Wie fühlt man sich mit x Jahren? Irgendwann sage ich:
"So gesehen könnte ich dir alle 10 Sekunden sagen: Herzlichen Glückwünsch zu x Jahren, x Tagen, x Stunden, x Minuten und x Sekunden."

Später sitzen wir im Tanzraum und es laufen aneinandergereiht nur scheiß Lieder, darunter The Rasmus, Die Krupps, Nickelback u.ä.
Wir kommen zu dem Schluss, dass Gitarrenspiel kein Geschicklichkeitsspiel oder Handwerk werden sollte.

A., N. und ich sitzen am Tisch. N. (ca. 60 Jahre alt) ist Künstler und hat bei uns in der Stadt am Wochenende, zusammen mit anderen, Sachen ausgestellt. Er sagt zu A. und mir: "Wisst ihr eigentlich, wie wichtig Ihr mir seid? Wenn ich euch manchmal hier sitzen sehe, wie Ihr so über Musik diskutiert und mit welcher Begeisterung... das ist eine Inspiration für mich."
Ich weiß nicht, ob ich kotzen oder mich freuen soll.

A. geht sich was bestellen, steht an der Theke, und in dem Moment klingelt das Zentraltelefon. A. dreht sich zu mir und sagt: "Heb mal ab. Das ist für dich. Es ist Gott. Er sagt, wir sollen mal unser Leben auf die Reihe kriegen."

A., G. und ich stehen vor dem Schlachthof in Hamburg und es sind mindestens 150 andere Menschen da, die alle noch Karten suchen. Ein recht lustiger Geselle ist dabei, der zwischendurch (ohne irgendwie berauscht gewesen zu sein) immer mal wieder einfach richtig laut durch die Menge schreit: "Hat noch jemand Karten zu verkaufen?" Das eine Mal kommt es zu einer amüsanten Abwandlung.
junger Mann (im Singsang): "Hat noch jemand Karten zu verkaufen, tra-la-la-la-la?"
vorbeigehender Konzertbesucher doof und leise: "Hast du es verpennt, dir rechtzeitig Karten zu besorgen?"
junger Mann (immer noch genauso laut): "Ja, genau wie in der Schule. Immer verpennt, immer die Hausaufgabe abgeschrieben."

 
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