Musik
Attitüde und Geste. Das was The Savages anscheinend so sehr verpönen, wohnt all ihrem Verhalten außerhalb und innerhalb ihrer Musik inne. Ich beziehe mich hier auf die Rezension von Pitchfork, in der es einige Informationen rund um die Band The Savages und deren erstes Album „Silence Yourself“ gibt. Auf Konzerten werden Vorschriften darüber gemacht, wie man sich zu verhalten hat. Wie passt das nochmal mit feministischen Theorien zusammen? Wenn das antrainierte Verhalten abgelegt werden soll, wieso trainiert man dann Konzertbesuchern Verhalten an? Eigentlich habe ich jetzt schon keine Lust mehr, mich mit der Musik von The Savages zu befassen, aber einen habe ich noch, einen habe ich noch: Wenn so viel über Minimalismus und Post-Punk die Rede ist, warum ist das Album „Silence Yourself“ dann produziert wie mit richtig Eiern? Warum wird hier ganz klassisch und konservativ die männliche Dominanz einfach wiederholt und die z.B. die Bass-Drum so nach vorne und in die Fresse gemixt? Soll der einzige Bruch dabei sein, dass diese Bass-Drum von einer Frau gespielt wird? Was ist, wenn ich das gar nicht weiß? Was ist, wenn ich diesen ganzen Manifest-Scheiß nicht mitbekommen habe, und nur die Stimme höre? Wie soll ich dann wissen, dass der Rest der Band auch Frauen sind? Wie kann ich eigentlich diese ganzen Parolen von The Savages mitbekommen, ohne genau das Verhalten an den Tag zu legen, dass sie mit dem Ausspruch „Silence Yourself“ bekämpfen wollen? So viel zu dem ganz wackeligen Theorie-Konstrukt, das The Savages hier umgibt. Zu der Musik ist wirklich nicht viel zu sagen, als das es nicht mehr als relativ unspektakulärer Post-Punk ist, der viele Vorbilder hat, aber nicht viel neu verwebt oder aus dem Kontext hebt und rejuveniert. Nix davon. Bloß leere Gesten. Beim nächsten Album vielleicht die einzelnen guten Elemente besser verknüpfen, selbst die Schnauze halten, die Leute SELBST entscheiden lassen, wie sie diese Musik erfahren wollen und dann ein gutes Album abliefern.
07.05.2013, 14:02
/ Musik
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Chris Cornell konnte Kim Thayils Metal-Riffs und -Soli nicht mehr hören, das ist einer der Gründe warum sich Soundgarden auflösten, so geht die Legende. In „Live to Rise“, dem für den Avengers-Film erschienenen Stück gibt es einen Beweis für die Auflösung dieses Problems. Kim Thayils Solo in diesem Song spielt am Ende die Gesangsmelodie mit, Stimme und Solo finden so einzigartig zusammen – das hat es bei Soundgarden bisher nicht gegeben.
22.01.2013, 13:56
/ Musik
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Auch in diesem Jahr wieder ein kleiner Rückblick auf das musikalische Geschehen in meinem Leben.
Top 10 Bands 2012:
10. Hot Chip – Es freut mich sehr, dass Hot Chip hier in die Top 10 gerutscht sind. Es freut mich deswegen, weil ich wahrscheinlich „In Our Heads“ als Lieblingsalbum 2012 nennen würde, wenn man mich fragte. Das Album ist große Klasse und hat mit „Flutes“ einen Song, den ich als Lieblings-Song 2012 wählen würde.
9. Tortoise – Auf Facebook habe ich letztens gepostet: Post-Rock kommt zurück und zwar in ganz großem Stil. Damit meinte ich aber eigentlich, dass der Post-Rock für mich zurückkommt, weil ich wieder so viel Gefallen an dem Chicagoer-Stil gefunden habe. Tortoise, Do Make Say Think, you name it. Es gibt Momente in der Musik von Tortoise, die mich so berühren wie nichts Anderes in der Musik. Und was heute allerorten Post-Rock genannt wird, hat eigentlich mit diesen Anfängen nicht mehr viel zu tun. Was nicht schlimm ist. Aber ich würde den Begriff Post-Rock dann doch eher bei einer kleineren Anzahl von Bands sehen.
8. Lawrence – Wie fast jedes Jahr ist auch Lawrence dieses Jahr wieder vertreten. Der Romantic Techno hat sich bei mir persönlich nicht so festgesetzt und fortgepflanzt, wie ich das noch vor 5 Jahren gedacht hätte – oder vor 10 Jahren, als das alles anfing. Wenn ich aber Lust habe, Musik zu hören, die dieses Label tragen könnte, greife ich fast immer zu Lawrence.
7. Beastie Boys – Es ist ein unglaublich trauriges Jahr für Hip Hop gewesen, da Adam Yauch gestorben ist. Dieser Verlust ist groß. Wenn ich „Check your head“ hören, spüre ich immer noch 20 Jahre später die Veränderung, die dieses Album in der Musikwelt hervorgerufen hat. Die Beastie Boys sind unersetzlich.
6. John Maus – Auch in 2012 hat John Maus mich viel begleitet. Ich bin dann in diesem Jahr auf einen Song und Track gestoßen, der mich absolut umgehauen hat. Aber man muss sagen: John Maus funktioniert sehr gut singleig. Ich mag selten ein Album von ihm anhören. Es ist, als hätte ich durch John Maus eine Art Radio-Mechanik wiederentdeckt, auch wenn ich die dann „nur“ über den Shuffle-Modus im Smartphone hervorrufe.
5. und 4. und 3. – Nirvana, Soundgarden und Radiohead. Es stellt sich heraus, dass es jedes Jahr Künstler gibt, die sich immer (und immer mehr) in die Charts nach vorne drängen. Das sind mal wieder Nirvana, Soundgarden und Radiohead. Es ist ganz selten, dass ich von diesen Künstlern einen Titel wegdrücke. Es fühlt sich immer so an, als hätte ich das noch nicht genug gehört.
2. und 1. Hype Williams / Dean Blunt & Inga Copeland. Mit Abstand, mit großem Abstand kassieren Hype Williams / Dean Blunt & Inga Copeland die ersten beiden Plätze und haben auch mit Abstand die meisten Plays in diesem Jahr. Was die beiden machen, hat mich dieses Jahr – und wird es auch für die nächsten Jahre – so sehr beeindruckt, dass ich das kaum beschreiben kann. Diese Art von Musik ist für mich außerhalb von allem. Eine amateurhafte Herangehensweise an die eigene Liebe zu Beats, Synthies und Flächen.
Top 10 Bands 2012:
10. Hot Chip – Es freut mich sehr, dass Hot Chip hier in die Top 10 gerutscht sind. Es freut mich deswegen, weil ich wahrscheinlich „In Our Heads“ als Lieblingsalbum 2012 nennen würde, wenn man mich fragte. Das Album ist große Klasse und hat mit „Flutes“ einen Song, den ich als Lieblings-Song 2012 wählen würde.
9. Tortoise – Auf Facebook habe ich letztens gepostet: Post-Rock kommt zurück und zwar in ganz großem Stil. Damit meinte ich aber eigentlich, dass der Post-Rock für mich zurückkommt, weil ich wieder so viel Gefallen an dem Chicagoer-Stil gefunden habe. Tortoise, Do Make Say Think, you name it. Es gibt Momente in der Musik von Tortoise, die mich so berühren wie nichts Anderes in der Musik. Und was heute allerorten Post-Rock genannt wird, hat eigentlich mit diesen Anfängen nicht mehr viel zu tun. Was nicht schlimm ist. Aber ich würde den Begriff Post-Rock dann doch eher bei einer kleineren Anzahl von Bands sehen.
8. Lawrence – Wie fast jedes Jahr ist auch Lawrence dieses Jahr wieder vertreten. Der Romantic Techno hat sich bei mir persönlich nicht so festgesetzt und fortgepflanzt, wie ich das noch vor 5 Jahren gedacht hätte – oder vor 10 Jahren, als das alles anfing. Wenn ich aber Lust habe, Musik zu hören, die dieses Label tragen könnte, greife ich fast immer zu Lawrence.
7. Beastie Boys – Es ist ein unglaublich trauriges Jahr für Hip Hop gewesen, da Adam Yauch gestorben ist. Dieser Verlust ist groß. Wenn ich „Check your head“ hören, spüre ich immer noch 20 Jahre später die Veränderung, die dieses Album in der Musikwelt hervorgerufen hat. Die Beastie Boys sind unersetzlich.
6. John Maus – Auch in 2012 hat John Maus mich viel begleitet. Ich bin dann in diesem Jahr auf einen Song und Track gestoßen, der mich absolut umgehauen hat. Aber man muss sagen: John Maus funktioniert sehr gut singleig. Ich mag selten ein Album von ihm anhören. Es ist, als hätte ich durch John Maus eine Art Radio-Mechanik wiederentdeckt, auch wenn ich die dann „nur“ über den Shuffle-Modus im Smartphone hervorrufe.
5. und 4. und 3. – Nirvana, Soundgarden und Radiohead. Es stellt sich heraus, dass es jedes Jahr Künstler gibt, die sich immer (und immer mehr) in die Charts nach vorne drängen. Das sind mal wieder Nirvana, Soundgarden und Radiohead. Es ist ganz selten, dass ich von diesen Künstlern einen Titel wegdrücke. Es fühlt sich immer so an, als hätte ich das noch nicht genug gehört.
2. und 1. Hype Williams / Dean Blunt & Inga Copeland. Mit Abstand, mit großem Abstand kassieren Hype Williams / Dean Blunt & Inga Copeland die ersten beiden Plätze und haben auch mit Abstand die meisten Plays in diesem Jahr. Was die beiden machen, hat mich dieses Jahr – und wird es auch für die nächsten Jahre – so sehr beeindruckt, dass ich das kaum beschreiben kann. Diese Art von Musik ist für mich außerhalb von allem. Eine amateurhafte Herangehensweise an die eigene Liebe zu Beats, Synthies und Flächen.
28.12.2012, 13:54
/ Musik
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Actress' aktuelles ALbum "R.I.P" klingt so als hätte es das Innere eines Clubs nie gegeben. Wer schon mal nach oder während einer Techno Party draußen vor dem Club vollkommen verschwitzt und müde und vielleicht auch nicht mehr ganz Herr seiner Sinne war, hat dieses Album schon mal gehört. Es war das, was man durch die Wände hören konnte.
20.07.2012, 16:14
/ Musik
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Die isländische Band Múm brachte 2004 mit "Summer make good" ein Album heraus, das vom Soundraum her dem 2012 Album "Valtari" von Sigur Rós her sehr ähnlich war. Irgendwie muss ich da an Schiffe denken, alles schwankt und wackelt wie bei einem rauen Seegang. Übel wird einem auch.
Es geht bei Sigur Rós auf "Valtari" eigentlich wieder um den gleichen Soundraum wie schon bei vorigen Releases. Da hat sich nicht viel geändert. Wenn man so will, sind Sigur Rós die Ramones des Post-Rock. In regelmäßigen Abständen immer das gleiche Album rausbringen. Das An- und Abschwellen ist dabei wichtigstes Element von Sigur Rós geblieben. Der schwebende Moment nach dem Anschwellen besteht dann zumeist aus sehr schön aber glatt klingenden Streichern, Sustain-Gitarren oder dem Falsett-Gesang von Jonsi. Hab ich das nicht schon beim letzten Album geschrieben? Kann sein, denn "Valtari" klingt verdächtig stark auch nach "Spilum", das wiederum schon verdächtig geweichspülert nach "Takk" klang.
Verzerrt bollernde Drums wie bei "Varúð" können daran auch nichts mehr ändern. Vor allem nicht, wenn sie so uninspiriert gepoltert sind wie bei diesem dritten Track des Albums. Snares scheinen Sigur Rós nicht mehr so gerne einsetzen zu wollen. Bis zum Ende des Albums habe ich keine einzige gehört. Wie immer klingelt und klimpert alles im Hintergrund, während irgendwo die Streicher einsetzen und lauter werden. Allein, niemals hat das ein Ziel außer den Weg für Jonsis Stimme zu bereiten. Und das ist zu wenig. Gipfel der Belanglosigkeit auf Spilum war der Elton-John-Gedächtnis-Track "Ára Bátur", auf "Valtari" ist das ganz klar die gesamte zweite Hälfte des Albums angefangen mit dem dem mäandernden "Dauðalogn", das auch gleichzeitig eine Mikro-Veränderung in Sigur Rós Schaffen andeutet. Eine Hinwendung zur Pastor- und choralität. Gefolgt ist dieser Track von dem in den gleichen Kategorien belanglosen Gebimmel von "Varðeldur", dem Titelstück "Valtari" und "Fjögur píanó". Selten habe ich solch eine banale Aneinanderreihung von undefinierbaren Streicher- und Glockensounds gehört. Eingesponnen in ihren eigenen Kokon düsen Sigur Rós durch den Kosmos der süßlichen Streicher. Das ist nur noch was für ganz unbedarfte junge Mädchen und Jungs mit selbstgestrickten Wollmützen.
Ich bin jederzeit mehr als bereit zur Begeisterung über Sigur Rós zurück zu kehren, sobald sie ihre Inspiration wiederfinden, wo auch immer sie diese zuerst her hatten.
Es geht bei Sigur Rós auf "Valtari" eigentlich wieder um den gleichen Soundraum wie schon bei vorigen Releases. Da hat sich nicht viel geändert. Wenn man so will, sind Sigur Rós die Ramones des Post-Rock. In regelmäßigen Abständen immer das gleiche Album rausbringen. Das An- und Abschwellen ist dabei wichtigstes Element von Sigur Rós geblieben. Der schwebende Moment nach dem Anschwellen besteht dann zumeist aus sehr schön aber glatt klingenden Streichern, Sustain-Gitarren oder dem Falsett-Gesang von Jonsi. Hab ich das nicht schon beim letzten Album geschrieben? Kann sein, denn "Valtari" klingt verdächtig stark auch nach "Spilum", das wiederum schon verdächtig geweichspülert nach "Takk" klang.
Verzerrt bollernde Drums wie bei "Varúð" können daran auch nichts mehr ändern. Vor allem nicht, wenn sie so uninspiriert gepoltert sind wie bei diesem dritten Track des Albums. Snares scheinen Sigur Rós nicht mehr so gerne einsetzen zu wollen. Bis zum Ende des Albums habe ich keine einzige gehört. Wie immer klingelt und klimpert alles im Hintergrund, während irgendwo die Streicher einsetzen und lauter werden. Allein, niemals hat das ein Ziel außer den Weg für Jonsis Stimme zu bereiten. Und das ist zu wenig. Gipfel der Belanglosigkeit auf Spilum war der Elton-John-Gedächtnis-Track "Ára Bátur", auf "Valtari" ist das ganz klar die gesamte zweite Hälfte des Albums angefangen mit dem dem mäandernden "Dauðalogn", das auch gleichzeitig eine Mikro-Veränderung in Sigur Rós Schaffen andeutet. Eine Hinwendung zur Pastor- und choralität. Gefolgt ist dieser Track von dem in den gleichen Kategorien belanglosen Gebimmel von "Varðeldur", dem Titelstück "Valtari" und "Fjögur píanó". Selten habe ich solch eine banale Aneinanderreihung von undefinierbaren Streicher- und Glockensounds gehört. Eingesponnen in ihren eigenen Kokon düsen Sigur Rós durch den Kosmos der süßlichen Streicher. Das ist nur noch was für ganz unbedarfte junge Mädchen und Jungs mit selbstgestrickten Wollmützen.
Ich bin jederzeit mehr als bereit zur Begeisterung über Sigur Rós zurück zu kehren, sobald sie ihre Inspiration wiederfinden, wo auch immer sie diese zuerst her hatten.
31.05.2012, 12:57
/ Musik
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Hype Williams soll in dieser kurzen Abhandlung nur exemplarisch stehen für eine ganze Reihe an Künstlern, die in den letzten 2-3 Jahren unter dem Label Lo-Fi/Chillwave/Dubstep zu einem gewissen Underground-Ruhm gekommen sind - und die auch mich sehr begeistert haben.
Was mir gerade als relativ starkes Argument für die Popularität solcher Bands eingefallen ist, sind die Entscheidungen, die dort in elektronischer Musik getroffen werden. Bei vornehmlich elektronisch erzeugter Musik über alte Synthies, Sampler, Drumcomputer und Software ist es noch wichtiger als in anderen Musikrichtungen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Elektronische Instrumente verleiten dazu, viel herumzuspielen, viel auszuprobieren und der Versuchung der recht schnellen wohlklingenden Kompositionen zu erliegen. Garageband ist ein gutes Beispiel für eine Software, die es so gut wie jedermann möglich macht, sehr schnell ein gut klingendes Musikstück zu komponieren, auch eins das nach Indie oder Lo-Fi klingt. Die Presets sind da sehr vielfältig. Und was solls? Letztendlich würde ich ein Stück, das ich vorher gut fand, auch immer noch gut finden, wenn ich herausbekäme, das es mit Garageband erzeugt wurde.
Aber zurück zu Hype Williams: in der Musik von Hype Williams hört man zweierlei Sachen: 1. Die wiedergefundene Unschuld im Umgang mit Samplern und Synthies. 2. Die bewusste Entscheidung Leerstellen bestehen zu lassen.
Zu 1.: Moderne Mainstream-Synthiemusik will Synthies nicht wie Synthies klingen lassen. Dort ist alles perfekt abgemischt und gemastert. Das ist zumeist eintönig und eindimensional. Man prallt daran ab. Man hat keine Wahl und findet keinen Halt. Entweder man frisst was einem vorgesetzt wird oder man lässt es sein. In der Musik Hype Williams' - und der vergleichbarer Künstler - ist das nicht so. Hier sind die einzelnen Elemente nicht unbedingt so abgemischt wie man es erwarten würde (andere Frage für später: woher kommt die Erwartung?). Manches ist laut, manches ist leise. Außerdem sind viele der Samples bewusst nicht programmiert oder sequenziert sondern manuell mit der Hand eingespielt.
Zu 2.: Sampler und Software verleiten wegen ihres Wohlklangs - temperiert? - dazu, viele viele Spuren übereinander zu einem riesengroßen Brei aus Wohlklang werden zu lassen. Die Kunst in der Musik wie bei Hype Williams ist es, mehr Leerstellen zu lassen, minimalistischer zu sein, die Entscheidung zu treffen zu sagen: nein, ich nehme nicht noch eine Spur zur Soundfülle hinzu, sondern lasse auch einfach der Digitalität ihren Raum.
Was mir gerade als relativ starkes Argument für die Popularität solcher Bands eingefallen ist, sind die Entscheidungen, die dort in elektronischer Musik getroffen werden. Bei vornehmlich elektronisch erzeugter Musik über alte Synthies, Sampler, Drumcomputer und Software ist es noch wichtiger als in anderen Musikrichtungen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Elektronische Instrumente verleiten dazu, viel herumzuspielen, viel auszuprobieren und der Versuchung der recht schnellen wohlklingenden Kompositionen zu erliegen. Garageband ist ein gutes Beispiel für eine Software, die es so gut wie jedermann möglich macht, sehr schnell ein gut klingendes Musikstück zu komponieren, auch eins das nach Indie oder Lo-Fi klingt. Die Presets sind da sehr vielfältig. Und was solls? Letztendlich würde ich ein Stück, das ich vorher gut fand, auch immer noch gut finden, wenn ich herausbekäme, das es mit Garageband erzeugt wurde.
Aber zurück zu Hype Williams: in der Musik von Hype Williams hört man zweierlei Sachen: 1. Die wiedergefundene Unschuld im Umgang mit Samplern und Synthies. 2. Die bewusste Entscheidung Leerstellen bestehen zu lassen.
Zu 1.: Moderne Mainstream-Synthiemusik will Synthies nicht wie Synthies klingen lassen. Dort ist alles perfekt abgemischt und gemastert. Das ist zumeist eintönig und eindimensional. Man prallt daran ab. Man hat keine Wahl und findet keinen Halt. Entweder man frisst was einem vorgesetzt wird oder man lässt es sein. In der Musik Hype Williams' - und der vergleichbarer Künstler - ist das nicht so. Hier sind die einzelnen Elemente nicht unbedingt so abgemischt wie man es erwarten würde (andere Frage für später: woher kommt die Erwartung?). Manches ist laut, manches ist leise. Außerdem sind viele der Samples bewusst nicht programmiert oder sequenziert sondern manuell mit der Hand eingespielt.
Zu 2.: Sampler und Software verleiten wegen ihres Wohlklangs - temperiert? - dazu, viele viele Spuren übereinander zu einem riesengroßen Brei aus Wohlklang werden zu lassen. Die Kunst in der Musik wie bei Hype Williams ist es, mehr Leerstellen zu lassen, minimalistischer zu sein, die Entscheidung zu treffen zu sagen: nein, ich nehme nicht noch eine Spur zur Soundfülle hinzu, sondern lasse auch einfach der Digitalität ihren Raum.
19.04.2012, 23:23
/ Musik
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Regelmäßig habe ich hier über Sigur Rós und über Sideprojects wie Riceboy Sleeps und Jonsis Soloprojekt geschrieben. Meine letzten Rezensionen (bzw. seit Takk) fielen überwiegend negativ aus. Vor allem der Vorgänger zu dem neuen am 28. Mai erscheinenden Album "Valtari" gefiel mir überhaupt nicht mehr. Sigur Rós hatten verpasst, ihre Musik nach "( )" weiterhin greifbar, texturell und spannend zu gestalten. "Með suð í eyrum við spilum endalaust" war meines Erachtens streckenweise vor Beliebigkeit unhörbar. Mit "Valtari" erscheint das erste Album seit 4 Jahren und vorab ist der Opener "Ekki Múkk" zu hören.
"Ekki Múkk" beginnt vielversprechend geheimnisvoll, öffnet einen sigurros-untypischen Soundraum mit relativ düsteren Elektronik-Klängen, die den Track interessant machen. Auch ist ein artifizielles Knacksen zu hören, als hörte man den Song von einer Platte (ich könnte mir auch vorstellen, dass das ein "echtes" Plattenknacksen ist). Doch nach 1 Minute (da fangen die Streicher schon an zu nerven) bzw. 2,5 Minuten (da kommt der erste "Höhepunkt") ist das auch schon wieder alles vorbei. Sigur Rós lassen die sigurros'sche Dynamik wie auf allen Alben auch hier wieder aufleben, teilweise wieder mit denselben Klängen wie auf den 3 Alben zuvor (man beachte wiederum die gepitchten Vocals wie sie auch schon auf "( )" und allen Folgealben zu hören waren). Es kaskadieren die Streicher, es haucht der Jonsi und fertig haben wir einen Sigur Rós Song.
Der Sound allgemein ist ein klein wenig näher als er auf "Með suð í eyrum við spilum endalaust" war, Jonsis Stimme klingt ein klein wenig rauer und abgenutzter als sie das auf seinem Soloalbum oder vorherigen Sigur Rós Alben klang, es sind ein klein wenig die Parameter verschoben, die Elemente sind jedoch dieselben wie sie das auch schon immer bei Sigur Rós seit "Takk" waren. Ich weiß eigentlich gar nicht, was der Bassist und der Schlagzeuger da in der Band noch wollen. Wahrscheinlich warten sie sehnsüchtig auf die Live-Konzerte. Hier scheint Jonsi das Zepter übernommen zu haben. Die beiden Höhepunkte in dem Song werden von Jonsis übereinandergelagerten und sich gegenseitig aus dem Klangweg schubsenden Streichern bestimmt, der Schluss des Songs ist ein schön ausklingendes Klavier, das sehr nah und mit allen Störgeräuschen aufgenommen wurde und dem Zeit zum Ausklingen gelassen wird.
Ich kann mich bei dem Opener von "Valtari" nur wiederholen: Sigur Rós ist eine Band, der man seit 7 Jahren beim Ausklingen zuhört. Das ist alles sehr schön, keine Frage, aber es ist eine sterile Schönheit, eine Blaupausen-Schönheit, wie eine kalte schockgefrostete Version von Sigur Rós. Wir hören uns seit 3 Alben Outtakes von "Agaetis Byrjun" und "( )" an, wir haben Live-Alben und Heimatfilme zu ertragen. Auf "Agaetis Byrjun" und "( )" hat es noch geknallt, da war eine Band zu hören, die vor Visionen sprühte, diese Visionen kamen im Stillen und in der Lautstärke zum Tragen, diese Dynamik ließ einen erzittern, man schüttelte sich vor Ergriffenheit. Jetzt schüttele ich mich nur noch vor Grausligkeit.
"Ekki Múkk" beginnt vielversprechend geheimnisvoll, öffnet einen sigurros-untypischen Soundraum mit relativ düsteren Elektronik-Klängen, die den Track interessant machen. Auch ist ein artifizielles Knacksen zu hören, als hörte man den Song von einer Platte (ich könnte mir auch vorstellen, dass das ein "echtes" Plattenknacksen ist). Doch nach 1 Minute (da fangen die Streicher schon an zu nerven) bzw. 2,5 Minuten (da kommt der erste "Höhepunkt") ist das auch schon wieder alles vorbei. Sigur Rós lassen die sigurros'sche Dynamik wie auf allen Alben auch hier wieder aufleben, teilweise wieder mit denselben Klängen wie auf den 3 Alben zuvor (man beachte wiederum die gepitchten Vocals wie sie auch schon auf "( )" und allen Folgealben zu hören waren). Es kaskadieren die Streicher, es haucht der Jonsi und fertig haben wir einen Sigur Rós Song.
Der Sound allgemein ist ein klein wenig näher als er auf "Með suð í eyrum við spilum endalaust" war, Jonsis Stimme klingt ein klein wenig rauer und abgenutzter als sie das auf seinem Soloalbum oder vorherigen Sigur Rós Alben klang, es sind ein klein wenig die Parameter verschoben, die Elemente sind jedoch dieselben wie sie das auch schon immer bei Sigur Rós seit "Takk" waren. Ich weiß eigentlich gar nicht, was der Bassist und der Schlagzeuger da in der Band noch wollen. Wahrscheinlich warten sie sehnsüchtig auf die Live-Konzerte. Hier scheint Jonsi das Zepter übernommen zu haben. Die beiden Höhepunkte in dem Song werden von Jonsis übereinandergelagerten und sich gegenseitig aus dem Klangweg schubsenden Streichern bestimmt, der Schluss des Songs ist ein schön ausklingendes Klavier, das sehr nah und mit allen Störgeräuschen aufgenommen wurde und dem Zeit zum Ausklingen gelassen wird.
Ich kann mich bei dem Opener von "Valtari" nur wiederholen: Sigur Rós ist eine Band, der man seit 7 Jahren beim Ausklingen zuhört. Das ist alles sehr schön, keine Frage, aber es ist eine sterile Schönheit, eine Blaupausen-Schönheit, wie eine kalte schockgefrostete Version von Sigur Rós. Wir hören uns seit 3 Alben Outtakes von "Agaetis Byrjun" und "( )" an, wir haben Live-Alben und Heimatfilme zu ertragen. Auf "Agaetis Byrjun" und "( )" hat es noch geknallt, da war eine Band zu hören, die vor Visionen sprühte, diese Visionen kamen im Stillen und in der Lautstärke zum Tragen, diese Dynamik ließ einen erzittern, man schüttelte sich vor Ergriffenheit. Jetzt schüttele ich mich nur noch vor Grausligkeit.
26.03.2012, 20:51
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Es gab in meiner bisherigen Musikerfahrung kaum ein Erlebnis wie die beiden Live-Konzerte von Liturgy im AJZ in Bielefeld. Beim ersten Mal hatte ich noch keinen Ton der Band je gehört und auch die Bandmitglieder nie gesehen. Als sie dann die Bühne betraten, dachte ich die Roadies bauen jetzt die Instrumente auf und machen Soundcheck. Aber es waren nicht die Roadies. Sie hingen sich ihre Instrumente um bzw. setzten sich hinter das Schlagzeug, schauten sich ein paar Sekunden an und was dann passierte, werde ich meinen Lebtag nicht vergessen. Es brach eine Welle aus Krach aus den Lautsprechern der PA und von der Bühne über die 30 Zuhörer herab, die zur gleichen Zeit unglaublich intensiv und melodiös und doch extrem hart war. Dazu schrie der Sänger Hunter Hunt-Hendrix wie bei lebendigem Leibe verbrannt in das Mikro, blieb aber selbst vollkommen ruhig in der Gestik, ganz im Gegenteil: er schaute wie verträumt ein wenig zur Decke hinauf. Liturgy kommen vollkommen ohne Black Metal Attitüde aus und haben nur den Sound dieses Genres kultiviert und weiterentwickelt. Die Live-Konzerte waren eine körperliche und geistige Erfahrung gleichermaßen. Der Drummer Greg Fox ist leider nicht mehr Teil der Band, ihn habe ich bei beiden Konzerten als einen unverzichtbaren integralen Bestandteil des gesamten Kunstwerks Liturgy empfunden, vor allem weil er ja den von Hunter Hunt-Hendrix propagierten Burst Beat umgesetzt hat. Liturgy prägen so den Post Black Metal oder die Dritte Welle des Black Metal ganz maßgeblich mit, stehen vielleicht sogar dort an der Spitze.
11.03.2012, 17:16
/ Musik
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Nach mehr als 11 Jahren tun sich At the Drive-In wieder zusammen.
At the Drive-In klangen immer - verzeiht diese kitschige Platitüde - spontan. The Mars Volta gingen in die eine Richtung - noch mehr abgefahren, Sparte in die andere - weniger abgefahren und mehr in Richtung Alternative.
Was mich an At the Drive-In immer fasziniert hat und weiterhin faszinieren wird, ist die Synergie die in und durch ihre Musik entsteht. Das ist eigentlich ein recht einfaches Prinzip: Die Musik klingt komplex und vertrackt, beim genauen Hinhören jedoch hört man all die Kratzer und Sprünge, die dieser Musik anhaften. Aus dieser Reibung bestehend aus progressivem Rock und punkiger und coriger Attitüde und Spielgeste entsteht Energie. Spürbar war diese m.E. am meisten auf "Relationship of Command". Ich habe zu dem Album mal gesagt, dass es mich von den Toten erwecken könnte, und Georg T. meinte: "Würde man die Spuren einzeln hören, klingt das alles total schief und krumm, aber zusammen ergibt es einen Sinn."
Und genau das ist das Erstaunliche. At the Drive-In ließen das, was sie für Musik hielten mehr oder weniger durch sich hindurchfließen. Wenn dort irgendwo eine große Kontrolle herrschte, so ist sie nicht hörbar.
At the Drive-In klangen immer - verzeiht diese kitschige Platitüde - spontan. The Mars Volta gingen in die eine Richtung - noch mehr abgefahren, Sparte in die andere - weniger abgefahren und mehr in Richtung Alternative.
Was mich an At the Drive-In immer fasziniert hat und weiterhin faszinieren wird, ist die Synergie die in und durch ihre Musik entsteht. Das ist eigentlich ein recht einfaches Prinzip: Die Musik klingt komplex und vertrackt, beim genauen Hinhören jedoch hört man all die Kratzer und Sprünge, die dieser Musik anhaften. Aus dieser Reibung bestehend aus progressivem Rock und punkiger und coriger Attitüde und Spielgeste entsteht Energie. Spürbar war diese m.E. am meisten auf "Relationship of Command". Ich habe zu dem Album mal gesagt, dass es mich von den Toten erwecken könnte, und Georg T. meinte: "Würde man die Spuren einzeln hören, klingt das alles total schief und krumm, aber zusammen ergibt es einen Sinn."
Und genau das ist das Erstaunliche. At the Drive-In ließen das, was sie für Musik hielten mehr oder weniger durch sich hindurchfließen. Wenn dort irgendwo eine große Kontrolle herrschte, so ist sie nicht hörbar.
09.01.2012, 20:19
/ Musik
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Welchen bleibenden Eindruck hinterlassen Pop-Musiken heute, außer ungreifbare parallel laufende Strömungen zu sein?
02.01.2012, 21:11
/ Musik
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