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Musik

Mitte der 90er Jahre gab es eine Handvoll guter Black Metal Alben aus Skandinavien – eins davon war „The Shadowthrone“ von Satyricon. Der Opener „Hvite Krists Død“ weicht seit Ewigkeiten von keinem Player in meinem Leben, da man bei diesem Track das Vibrieren spüren kann, das Black Metal nur selten erzeugt (hat) – Intelligentes Songwriting, schnelle und langsame Parts, Gitarren-Riffs und Ambient-Keyboards, perfekte Produktion, nicht zu fett, nicht zu lo-fi. Durch den Hype ging es für Bands wie Satyricon nach 1995 nur noch bergab muss man leider sagen. „Hvite Krists Død“ kann als Blaupause für die Struktur eines perfekten Black Metal Songs dienen: verwaschene E-Gitarren mit viel Mitten und Treble produziert, Blast Parts entwickeln ihre Kraft durch die Abwechslung mit langsamen Rhythmen, Keyboards spielen eine fast gleichberechtigte Rolle, drängen sich aber nicht zu sehr in den Vordergrund – es sei denn, es wird ihnen ein eigener Part eingeräumt, und die Vocals sind makellos. Die Produktion des Albums und dieses Tracks ist vollkommen transparent. Die Produktion ist hell und fordernd: Was den Black Metal vom Death Metal u.a. unterscheidet ist die Art, schneidende Gitarren und Vocals hervorzubringen anstatt zu growlen und zu riffen. Diese Herangehensweise schlägt sich auch im Sound von „The Shadowthrone“ nieder. Trotzdem klingt das ganze Album nie wie ein Versuch, sich dem Mainstream anzubiedern. Wer von der Öffentlichkeit unbehelligt seine Kreativität entfalten kann, erschafft die beste Musik – 1994 stand der Black Metal kurz vor der Explosion und es konnten die letzten Alben aufgenommen werden, die 20 Jahre später immer noch Black Metal Musiker inspirieren. Oft kopiert und nie erreicht könnte man im Fall von Satyricon, The Shadowthrone und „Hvite Krists Død“ sagen. Das Lied wird niemals alt und niemals langweilig, es klingt nie outdated. Die nächsten 20 Jahre bleibt es sicherlich noch auf meinem Player.

Gestern beim Hören von „Matters from Ashes“ von 31knots fiel mir auf: Wenn Prog-Rock den Pomp im Sound und in der Produktion abstreift, ist es eins der cleversten Genres in der Popmusik. Mit „It was high time to escape“ haben 31knots 2003 ein Lo-Fi Prog-Rock Album aufgenommen, das in der Produktion und im Sound sehr stripped down klingt und deswegen den Hörer in das Prog-Rock Haus hineinbittet. Wenn der klassische Prog-Rock mit Bombast-Produktion wie ultrafetten Gitarren und schmatzigen Bassdrums mit gemasterten Elementen eher wie ein unbetretbarer Palast wirkt, ist „It was high time to escape“ die alte Landhaus-Villa mit Altbaucharme. Dieser verschwurbelte Mist mal wieder nur deswegen, weil ich spontan schreibe und es mir, wie immer, schwerfällt ein paar tolle Argumente schnell raus zu hauen: Die Songstrukturen sind vertrackt, die Melodien sind vertrackt, und doch lassen 31knots immer noch eine Tür mit Melodie und Dramatik offen, mit weichem Gesang und Power-Chord Takten, die einen Kontrast zu frickeliger Elektronik bilden. Diese Mischung macht für mich eins der tollsten Alben der letzten 15 Jahre aus und mit „Matters from Ashes“ sicherlich das beste Lied von dem Album.

Als ersten Eintrag meiner neuen Kategorie „The 1000 tracks of my iPhone playlist“ wähle ich Radiohead „Codex“ vollkommen ohne speziellen Zusammenhang. Der ergibt sich vielleicht doch, wenn man sich anschaut, dass ich für „The King of Limbs“ als Album eine Weile länger als für die anderen Alben brauchte und mich ein wenig scheue, mir jetzt „A Moon Shaped Pool“ anzuhören. Zu „The King of Limbs“ entwickelte ich irgendwann die spezielle Beziehung, die Radiohead eben von Album zu Album entwickeln. Die Tiefen der Songstrukturen ergeben sich dort eben erst nach mehrmaligem Hören. So auch bei „Codex“, der durch seine Stille und Sparsamkeit im Lärm während des Unterwegs-Hörens erst einmal untergeht. Getragen von Beat, Bass, Stimme und ein paar schönen Klängen entwickelt der Song aber nach kurzer Zeit eine starke Sogkraft: Man segelt auf dem Song irgendwie wie aufs Meer hinaus, eingelullt in einen Schlafgesang. Spärlich und doch atmosphärisch sehr dicht skippe ich diesen Track selten weiter, auch wenn ich unterwegs bin und da eher lautere Songs zünden.

Durch den Sprung vom Hardrock, Metal und Death Metal zum Grunge, Indie Rock und Alternative Rock änderte sich ab 1991-1993 einiges in meinem Leben. Damals dachte ich, ich müsste der ganzen Proleten Musik abschwören. Nachdem ich dann verstanden hatte, dass das nicht so eindimensional und analog funktioniert, konnte ich mich wieder zum Death Metal hingezogen fühlen und voller Lust all das hören, was ich als 14-15 jähriger so geliebt hatte. Hier also Morbid Angel, die mit „Blessed are the Sick“ ein wundervoll trocken produziertes vertracktes Death Metal Album aufgenommen haben.

Zeit für eine letzte Rezension auf Psychospaltung. Anlass ist Faith No Mores neues Album „Sol Invictus“, dass dieser Tage erscheint/erschienen ist, wen interessiert das schon. Ich sehe mich auch lediglich zu einer letzte Rezension veranlasst, weil Faith No Mores „Angel Dust“ sicherlich zu den Top 10 für mich persönlich besten Alben gehört. Es ist eins der wenigen Alben, die für mich niemals langweilig werden. Das neue Album ist erwartbar schlecht geworden. Dabei sind mir zwei Sätze in den Sinn gekommen:

1. Wichtig ist nicht, wer jetzt die Songs schreibt, was die Lyrics sagen, welche Noten die Gitarren spielen oder sonstwas inhaltliches. Wichtig ist, mit wem man ins Studio geht.

2. Jede Pipifax-Band aus den USA hat mehr innovative Ideen, was den Sound verzerrter Gitarren angeht.

Zu 1.: Das Album ist überraschenderweise glatt und poliert produziert. Oder vielleicht auch nicht überraschenderweise. Überraschenderweise weil ich immer noch naiv genug bin zu glauben, Innovation setze sich fort. Tut sie aber nicht. Die Produktion ist nicht detailliert oder überlegt oder feingeschliffen, sie klingt wie das erstbeste Preset von Logic Pro X. Alles einfach fett mittig hörbar nach vorne gemixt, Kompressor drauf, und damit im gleichen Soundraum wie jedes beliebige Top 40 Album in den USA. Vorbei die Zeiten, in denen Songs nicht nur anders geschrieben wurden, sondern auch eine andere Klangfarbe besaßen.

Zu 2.: In der gleichen Musik-Recherche wie zu Faith No More, stieß ich auch auf das neue Album von Surfer Blood. Ein mehr oder weniger mittelmäßigere Band aus den USA, die gefällige Indie-Rock Nummern schreibt. Vergleicht man die Ideen für verzerrte Gitarren und Produktion mit Faith No More, müsste Faith No More, die als Wegbegleiter für Hinz und Kunz gelten, haushoch gewinnen. Tun sie aber nicht ansatzweise. Im Gegenteil. Surfer Blood sind nicht nur einfallsreicher was ihre verzerrten Gitarren angehen, sie sind auch geschickter im Produzieren und Mischen der Elemente.

Ein Armutszeugnis für Faith No More und „Sol Invictus“ und jeden Rezensenten, der jetzt Loblieder für dieses miese Album verfasst.

(2/10)

zuletzt gehörtes Lied in 2014: Faith No More „Caffeine“

zuerst gehörtes Lied in 2015: 88 Fingers Louie „100 Proof“

So wie die letzten Jahre, will ich hier im Weblog wenigstens noch mein Musik-Jahr rekapitulieren, wenn schon ansonsten so wenig geschrieben wird. So wie im letzten Jahr, werde ich mich um die neuen Top Bands kümmern, anstatt auf die immerwährend gleichen einzugehen. Und auch die Top Tracks werden dieses Jahr wieder beachtet. Quelle für all das ist wie immer Last.fm und der Last.fm Explorer von Two three fall.

TOP 5 BANDS 2014 (neu)

5. REAL ESTATE

Real Estate fungieren immer dann als wunderbarste Band, wenn man nach Ruhe und Ausgeglichenheit sucht. Sosehr die Beatles wohl in den 60er Jahren auch aufrührerisch waren, so sehr strahlte die Musik Ruhe aus. Ähnlich geht es mir mit Real Estate. Sanftheit und Verträumtheit sind hier die Begriffe, die mir maßgeblich einfallen. Real Estate funktionieren dann bei mir auch wirklich sehr gut als Album-Band.

4. MANOWAR

Zu der Zusammenstellung dieser „neuen“ Top 5 Bands werde ich gleich unten noch einmal was schreiben, aber Manowar schälen sich als eine Band heraus, die ich seltsamerweise selten weiterskippe. Es kam in 2014 sicherlich nicht ein einziges Mal vor, dass ich zuhause auch nur einen Song dieser Band angemacht habe. Bin ich aber unterwegs, skippe ich im Zufallsmodus selten an Manowar vorbei. Und es handelt sich dabei auch nur um die beiden 80er Alben Battle Hymns und Kings of Metal.

3. TORTOISE

Und auch Tortoise sind Altbekannte, die wieder einmal in die Charts eingetaucht sind. Tortoise sind, ganz anders als Manowar bspw., eine ausschließliche Album-Band für zuhause. Post-Rock wird für mich immer noch durch ihren Sound definiert, aber ich habe den Diskurs-Kampf um die Namensvorherrschaft zwischen Instrumental-Rock und Post-Rock aufgegeben. Das Zusammenfügen von Jazz und Rock und Pop und Elektronik mit ungewöhnlicher Instrumentierung und ohne Gesang war für mich immer das, was das Post in Post-Rock ausgemacht hat.

NIRVANA, BOARDS OF CANADA, RADIOHEAD, BAD RELIGION, LAWRENCE

2. THIEVERY CORPORATION

Thievery Corporation vervollständigen mit dem Top 1 Artist meine Lust auf das Feeling, das ich in den 90er Jahren in Bezug auf elektronische Musik hatte. Sanft löste sie mich von den Gitarren des Metal wie ein Spudger den Akku in einem iPhone löst. Ich war stark in diesem Gitarren-Dings verhaftet als auch schon die Elektronik kam und mich aus Konservatismus und reaktionärer Denke rettete. Thievery Corporation gehörten mit nur einem einzigen Album, The Mirror Conspiracy, ganz maßgeblich dazu.

1. APHEX TWIN

Eine Überraschung hält jedes Jahr bereit, und in diesem Jahr ist es ganz sicher und mit Abstand das neue Aphex Twin Album Syro. Ich hab von Syro geträumt und ich hab Syro gelebt. Syro war ein Grower, der aber sehr schnell gewachsen ist. Syro hat all das für mich verkörpert, was die 90er an Elektronik bereit hielten. So sehr ich unterwegs immer auf die Gitarren gesetzt habe und der Anteil der Gitarrenmusik mengenmäßig sicher größer ist als die der elektronischen Musik, war das bewusste Hören hier zuhause doch sehr auf die Elektronik eingeschossen. Und das ist auch gut so. Syro hat abdelivert, aber sowas von. Jeder Track klebt von dem honigartigen Gemisch aus verfrickelter Elektronik und weichen melodiösen Synthies. Es ist bestechend, und es hat richtig gutgetan, dass dieses so gehypte Album Eingang gefunden hat.

SOUNDGARDEN

TOP 10 SONGS OF 2014

10. Mogwai „Ratts of the Capital“

2014 fand ich ein wenig meinen Frieden mit Mogwai, die ich eine Weile relativ verachtet habe ob ihres immer wiederkehrenden Sounds im Instrumental-Rock. Aber 2014 hatte ich wieder Lust auf die Dynamikbögen, die mich einst so beeindruckt haben, und so griff ich oft auf meine Favourites der letzten 10 Jahre zurück, vor allem eben auf die Songs des Happy Songs Albums, das ich immer noch am liebsten mag.

9. Brutal Truth „Ill Neglect“

Vielleicht auch stellvertretend für meine immer noch groß vorhandene Lust auf den Death Metal der frühen 90er Jahre, steht hier Brutal Truths „Ill Neglect“, hier könnte auch Inpropagation von Carcass oder Abominations von Morbid Angel stehen, aber die Riffs des Death Metals von damals turnen mich immer noch mehr als an.

8. Waterbodies „How to burn bridges“

siehe 2013

7. Aphex Twin „Papat…“

siehe Top 5 Bands 2014

6. Logh „Ghosts“

Ein schmählich vernachlässigter Song in den letzten Jahren, hat „Ghosts“ seinen Weg endlich auf meinen Player zurückgefunden. Logh gehören einfach zu den Top 5 neuen Bands der letzten 15 Jahre in meinem Leben, und dieser Song ist hier nur stellvertretend für das Gesamtwerk wenn man so will. Auch wenn 2014 nicht so ein großes Logh-Jahr für mich war.

5. Kerbdog „Dry Riser“

Kerbdog sind eine der Grunge/Metal/Crossover-Bands der 90er Jahre, die wohl im Matsch der Majorfirmen großgezogen wurden, die aber dennoch die ein oder andere sehr gute Idee hatten. Damals hat man über MTV alles mögliche aufgesogen, was mit verzerrten Gitarren daherkam, Kerbdog und diese Single waren eine der Bands, die sehr schnell wieder verschwanden. Für mich persönlich verschwand dieses Lied auch für eine ganze Weile, bis ich es letztes Jahr wieder ausgrub.

4. Survival „Tragedy of the Mind“

siehe 2013

3. 88 Fingers Louie „100 Proof“

Vor gut 10 Jahren hörte ich viel Core, Melody-Core, Death-Core, Core Core Core. Die Emotionalität die durch weinerlich vorgetragene Vocals transportiert wurde, schmeichelte mir sehr. Und ich konnte mir gut vorstellen, selbst solche Musik zu machen – dazu ist es nie gekommen. Viele dieser Songs habe ich mir damals überhört, und so ist auch „100 Proof“ für eine Weile in der Versenkung verschwunden, aber auch diesen Song habe ich gegen Ende des Jahres wieder ausgegraben und ganz neu für mich erfunden.

2. Chad VanGaalen „Bones of Man“

siehe Jahre zuvor

1. Father John Misty „Hollywood Forever Cemetary Sings“

Pitchfork brachte mich auf Father John Misty, der der Schlagzeuger der Fleet Foxes ist und auf diesen Song, der irgendwie auf einer Besteliste stand, ich bin jetzt zu faul genau nachzuschauen auf welcher. Ich höre den Song und bin von den Elementen und der Zusammenstellung paralysiert. Elektrische Gitarren fast nur mit Mitten, ein reverberiertes Schlagzeug, und dann die bestechend weiche Stimme von J. Tillmann, dieser Song ist ein absoluter Wahnsinn. Und vor allem auch in verschiedenen Versionen im Internet als Video zu sehen, und jede Version ist irgendwie voll gut.

Alles in allem war 2014 wieder ein heterogenes Jahr, an der Zusammenstellung der Top 5 Bands kann man das wirklich sehr gut sehen. Nicht, dass es mir besonders peinlich wäre, dass Manowar darin auftauchen, es zeigt eigentlich wie sehr mein Geschmack über das Jahr verteilt wenig festgefahren zu sein scheint. Es gibt auch viele Künstler und Songs, die von Jahr zu Jahr nicht gehen sondern wachsen und immer wieder da sind und auch für immer bleiben, das finde ich sehr schön. Ich wünsche mir für 2015 eigentlich genau wieder das es eine Überraschung einer neuen Band oder meinetwegen auch eine Überraschung eines Künstlers wie Aphex Twin gibt, dann bin ich mit 2015 musikalisch genauso zufrieden wie mit 2014 auch.

Ich weiß nicht, warum „Ratts of the Capital“ (und ähnliche Songs von Mogwai) wieder in großem Stil bei mir Anklang finden, aber vielleicht ist jetzt die Zeitspanne erreicht, in der ich merke, dass das Versprechen, das Bands wie Mogwai Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre abgegeben haben, in den letzten 10 Jahren nicht eingelöst wurde. Nämlich das Versprechen, dass auf diese gelieferten Vorlagen von bspw. Mogwai mindestens ein Dutzend nachhaltiger guter Bands folgen würden, die das Erbe weitertragen, aufnehmen, verfeinern. Ich weiß nicht, in welcher Tiefe Bands wie Explosions in the Sky, Mono, This Will Destroy You, And so I watch you from afar und und und in der Lage waren, die Parameter des Instrumental Rock so auszutarieren, dass etwas Durchstechendes dabei herauskommt, bei mir ist da aber nicht viel passiert. Gerade Mono und Explosions fingen irgendwann an, mich regelrecht anzuöden, ich war sauer darüber, dass man sich anscheinend so faul in die bekannte laut/leise Schemata fallen ließ und ein langweiligeres Album nach dem anderen herausbrachte. Ich wandte mich also ab, und war – spätestens nach Mr. Beast – dann auch von Mogwai enttäuscht. Jetzt besinne ich mich aber wieder auf die Klassiker des Genres, die vor ca. 10 Jahren veröffentlicht wurden und dazu gehört „Ratts of the Capital“ als Song definitiv ganz stark dazu.

Zuletzt gehörtes Lied in 2013: Israel Nash Gripka – „Through The Door“
Zuerst gehörtes Lied in 2014: Boards of Canada – „Sixtyniner“

In diesem Jahr mache ich den Musik-Jahresrückblick mal ein bisschen anders. Anstatt wieder die Bands mit in die Top 10 aufzunehmen, die sowieso jedes Jahr reinkommen – ohne sie unerwähnt zu lassen – versehe ich heute nur die Top 5 Bands mit einem Kommentar, die neu in diesem Jahr hinzugekommen sind, auch wenn sie „alt“ sind. Außerdem werde ich mich auch mal um die Top 10 Songs des Jahres kümmern. Los geht’s…

TOP BANDS 2013

5. Portishead

Alle drei Alben von Portishead klingen unterschiedlich, und alle drei Alben haben auf ihre Art eine ganz eigene Portishead-Handschrift. In 2013 nehmen sie mit 121 Plays Platz 5 ein und spielen sich mit einer Mischung aus allen drei Alben in meine Charts. Ich hab immer gedacht: Das dritte Album klang nicht mehr wie Kino, sondern wie Fernsehen und diese Post-/Proto-Modernität tut sich auf vielen Tracks hervor. Portishead sind bei mir etabliert als ganz feste Größe.

4. 31knots

Endlich einmal kommt auch die Band in die Charts, die ihre vielen Plays in meiner Liste mit fast ausschließlich einem Album erreichen, einem Album das tatsächlich nie und nimmer langweilig wird und sich 2004/2005 in meinen Kopf eingenistet hat, als ich es immer auf dem Arbeitsweg nach Gelnhausen gehört habe. Der sehr ruhig gehaltene Math-Rock von 31knots gespielt auf einer knochentrockenen SG ist absolut unnachahmlich gewesen.

Bad Religion

3. Depeche Mode

Allein die Singles machen bei Depeche Mode in diesem Jahr für mich den Kohl fett. Auch hier bin ich froh, dass diese Band es mal in die Jahrescharts schafft. Einfach weil sie auch zu denjenigen gehört, die ich eigentlich in den seltensten Fällen wegklicke.

Lawrence, Nirvana, Radiohead, Beastie Boys

2. Atoms For Peace

Auch wenn ich hier dieses Mal nichts über Radiohead schreibe, schleicht sich Thom Yorke doch durch ein Hintertürchen in die Charts. Naja, es ist mehr ein riesengroßes Tor an einem prachtvollen Schloß. Atoms For Peace haben ein Album rausgebracht, das sehr nach Thom Yorkes Solosachen klingt und natürlich sehr vertrackt und kopflastig wirkt. Trotzdem ist es richtig gut geworden, was man von den Live Performances meines Erachtens nicht behaupten kann. Auch wenn meine Plays da gegen Ende des Jahres total absacken, wird das Album definitiv eine sehr lange Halbwertszeit behalten.

1. Boards of Canada

Fast unangefochten auf Nummer 1 in diesem Jahr eine altbekannte Elektronik-Band namens Boards of Canada, deren Musik karikaturistisch als Vorbild genommen wurde, und mit denen sich irgendwann alle verglichen, und die ständig als Referenz genommen wurden. Man war Boards of Canada ein bisschen über, und als ich das neue Album gehört habe, habe ich zuerst gedacht: Hm ja, ein Boards of Canada Album halt, was soll damit jetzt sein? Später habe ich mehr zulassen können, dass ich ja genau diese Sounds mag, und dass es GERADE nach den ganzen Schleifen, die elektronische Musik inzwischen gedreht hat, vollkommen taktisch klug ist, ein Album aufzunehmen, das klingt, als wäre es direkt einen Monat nach Geogaddi erschienen. Und so ist „Tomorrow’s Harvest“ für mich auch das Album Nr. 1 2013.

TOP 10 SONGS 2013

10. Simon & Garfunkel „Scarborough Fair/Canticle“

Ein Fehler in der mp3 von „Scarborough Fair“ wollte es so, dass sich der Titel Ewigkeiten auf meinem Telefon hält und deswegen auch in die Top 10 Einzug hält. Der kleine Holperer bei der Stelle „true love“ klingt so absichtlich, als hätte The Field einen Remix gemacht. Sowieso ist dieser Song wunderschön, verdienterweise also in den Charts.

9. Arcade Fire „Reflektor“

Wenn David Bowie im letzten Drittel des Songs aus dem Hall heraus in den Song erscheint, dann ist das so als würde Papa den Indie-Kids mal zeigen, wo der Bartel den Most herholt. David Bowies paar Zeilen in dem Song sind so autoritär vorgetragen, dass man vor ihm nicht mehr und nicht weniger als eine Verbeugung machen kann. Und es ist zurecht autoritär produziert, vor Bowie verbeugt man sich gerne. Dass der ganze Rest des Songs dann sowieso eine gewagte Oberklasse im Indie darstellt, bringt den Song auf Nr. 9 in meinen Charts.

8. Animal Collective „Monkey Riches“

Monkey Riches ist ein eher ungewöhnlicher Song für Animal Collective, weil er so mollig klingt und dabei so elektronisch klirrt. Ich kann gar nicht genau beschreiben, warum dieser krachige Song mir so gut gefällt, aber es ist definitiv mein Lieblingssong von Animal Collective ever bisher.

7. MIT „Univers“

MIT sind eine unbeachtete deutsche Band, die einen kalten Neu-Entwurf kraftwerk’scher Elektronik mit deutschem Liedermacher-Pop auf beste Weise verknüpfen. Will keiner hören, weil sie nicht über langweilige Alkohol-Abstürze singen und sich keine wohlig-warme Alt-68er Zeit zurückwünschen.

6. Depeche Mode „Shake the Disease“

Stellvertretend für das gute Abschneiden von Depeche Mode in meinen Jahrescharts steht hier „Shake the Disease“, aber hier könnten auch einige der anderen Singles stehen. Blame the Zufallsgenerator.

5. Tyler, the Creator „Yonkers“

Ich hab den Hype verstanden und so, und ich kann kaum verklären, dass mich das auch mit beeinflusst hat, aber ich zieh mir jetzt mal meine eigenen Schlüsse aus dem Zugetansein zu „Yonkers“. Das „Krasse“ daran. Punkt.

4. MIT „Pudong“

s.o.

3. Atoms for Peace „Ingenue“

Die Top 3 Songs sind wirklich Songs für die Ewigkeit, muss ich sagen. Alle drei Songs haben mich dieses Jahr so umgehauen… „Ingenue“ besticht durch eine unendlich komplizierte und mollig-traurige Synthie-Melodie, die unfassbar schön ist. Was klickerklacker dahinter passiert und Thom Yorkes Geheule und so ist das passende Beiwerk, aber Hauptdarsteller ist diese Melodie.

2. Waterbodies „How to burn Bridges“

Mein Cousin Adrian hat das Video zu diesem Lied gedreht, und wenn dieser Alternativ-Rock-Kracher nicht schon an sich voll geil wäre, das Video würde es endgültig rausreißen. How to burn Bridges ist eine Blaupause an allem guten, was Alternative Rock ausgemacht hat, aber auch an allem guten, was davon übrig geblieben ist.

1. Survival „Tragedy of the Mind“

So, und mit Tragedy of the Mind sind wir wahrscheinlich bei DEM Song der letzten 10 Jahre angekommen. Klingt ganz schön hochtrabend, aber im Moment fühlt es sich so an, als würde dieser Post-/Math-/Hardrock-Song mich auf ewig für viele Dinge versauen. Der Sound ist hier in Perfektion gehalten, trocken und nüchtern und zurückhaltend aufgenommen – hier hat jedes Instrument einen gleichberechtigten Platz. Ich habe in den letzten 10 Jahren keine verzerrte Gitarre gehört, die so perfekt verzerrt klang wie die Gibson SG von Hunter Hunt-Hendrix auf dem ganzen Album. Der Song an sich klingt wie eine relaxte mathematische Gleichung, als hätte man den hektischen Prog, der so beliebt geworden ist, eine Stufe langsamer abgespielt. Der chantige Gesang wirkt hypnotisierend, so wie der ganze Song wie eine Math-Trance-Seance klingt. Ein Gebet und ein Hoch auf das Riffing, das bei Hunter Hunt-Hendrik rauskommt. Wenn Hardrock 2013 immer noch und wieder für ziemlich stumpfes Gehabe und trampelnde Rhetorik und Bildersprache steht, und wenn nicht das, dann nur für das Zitieren alter Klassiker, dann schaffen Survival es auf ihrem Album, dieses Dogma abzuschütteln, was wirklich nicht leicht gewesen sein muss. „Tragedy of the Mind“ ist innerhalb eines Jahres mit 69 Plays ganz weit oben gelandet. Nichts hat mich in den letzten Jahren so süchtig gemacht an Musik wie dieser Song.