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Kriterien des Ausschlusses sind Kriterien der Profilierung geworden. Während man sich früher mit der Ausübung von Verpeiltsein-Akten zurückgehalten hätte, ist dieser Affekt jetzt kultivierter Manierismus geworden: im Gesellschaftsalter der Individualisierung stellt er eine scharfe Abgrenzung zu einem anderen Individuum dar. Ich habe als zu-spät-zu einem-Termin Kommender jedes Mal beim verspäteten Erscheinen einen Auftritt (Aufmerksamkeit, die sich auf einen richtet) und muss keine Konsequenzen fürchten; im Gegenteil: ich übe Macht und Kontrolle – auch für die Zukunft gespeichert – aus, die einer doppelt verschobenen Basis zugrunde liegt: 1. der Pünktliche hatte im Gegensatz zum Unpünktlichen vor dem Termin genug Zeit, sich mit der Vorbereitung und Anreise zum Termin auseinanderzusetzen (sei dies nun ein Gehen über den Flur im Bürogebäude, oder eine halbstündige Anfahrt mit dem Auto) und somit „nichts zu tun“, was der allgemeinen Gesellschaftsgeschäftigkeit zuwider handelt, ich handele mit dem Zu-spät-kommen also aktuell regelKONFORM; 2. im Dekalog der kultivierten Manierismen der Verpeiltheit, die noch aus der Pseudo-Alternativität stammen, handele ich ebenfalls regelKONFORM subversiv.
05.01.2014, 14:09
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Wenn das hier ein Konsularschiff ist, wo ist dann der Botschafter?
04.12.2013, 14:08
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Le weblog à l’époque de sa reproduction mécanisée
24.09.2013, 14:07
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In den letzten Jahren taten sich immer wieder Klugscheißer hervor, die andere Leute beim Ausspruch: „Das macht Sinn“ sofort hechelnd verbesserten, „Sinn machen“ wäre ein eingedeutschter Anglizismus, „make sense“, und in einem Aufwasch wurde die deutsche Sprache dem Tode geweiht, und gerade noch beim Ausspruch „Sinn machen“. Es müsste „das ergibt Sinn“ heißen, was aber mindestens genauso deppert ist. Wenn ich aus der Mathematik her denke und dort über die Summen rede, dann „ergeben“ die etwas. X plus Y ergibt Z. Und das wäre ja das Neueste, wenn Sinn etwas Errechenbares wäre. Dann stelle (mache) ich den Sinn lieber selber her.
14.05.2013, 14:06
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Die Lyrik verhält sich zum Rest der Literatur, wie das „Bild sich zu den Worten verhält“. Sie nimmt unzulässige Abkürzungen. Und das ist das, was die Kunst immer bleiben wird: nicht erklärbar, sinnfrei, dreidimensional. Trotzdem muss eben deswegen die wichtige Reibung mit der Sprache bleiben.
08.05.2013, 14:04
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Poetry Slams haben wenig mit Poesie zu tun. Eher mit Comedy. Ganz platt und direkt gesagt. Alle Poetry Slams, die ich bisher durchstehen musste, waren Standup Comedy Shows. Nicht, dass da etwas schlimm dran wäre. Aber der einzige Grund, warum das noch unter Poetry Slam läuft, ist die Entschuldigung für die unlustigen Passagen. Die kann man dann ganz weit entfernt als Lyrik titulieren. Die Stellen, an denen keiner lacht. Mal ganz abgesehen davon, dass die Vortragssituation eine ganz besondere ist und deswegen auch besonders betrachtet werden muss, ist das laut vorgetragene Geschmiere der meisten Performanten indiskutabel. Wer bei Poetry Slams am meisten und lautesten schreit oder eine Dynamik von Laut und Leise performiert, bekommt die meisten Lacher = „gewinnt“ den Abend. Dass das Ganze als eine Ellenbogenveranstaltung aufgezogen wird, in der man GEGENEINANDER antritt und GEWINNEN kann, zieht der letzten Ebene von Poesie den Boden unter den Füßen weg. Es gibt also auf Poetry Slams angeblich beste und schlechteste Lyrik. Ist ja ganz klar: wenn besonders viele Schreihälse im Publikum sitzen, die auch ansonsten einen lauten polternden Charakter haben, schreien die für die Figuren, die ihnen am nächsten kommen. Also auch die lautesten polterndsten Performer des Abends. Der Kapitalismus hat hier ganz klar gewonnen und zeigt allen anderen die Nase. Aber wer jetzt glaubt, dass man dann ja heimlich und still wenigstens für die kleinen leisen Mädchen sein könnte, die eben nicht so laut vortragen können und ganz verschüchtert vor den Mikrofonen stehen, hat sich geirrt. Die besudeln den Zuhörer dann nämlich mit ihren Kleinmädchen-Vorstellungen von Poesie: Wolken am Himmel, Flügel ausbreiten und wegfliegen. Selbst wenn jemand ein echtes Gedicht mitbrächte, dass auch nur im entferntesten Sinne die Magie von Lyrik vermitteln könnte, hätte derjenige gar keine Chance zwischen den ganzen gekränkten Egos die sich auf einem Poetry Slam gesundsabbeln, aufzufallen und herauszustechen. Der- oder diejenige würde nur den Abend stören. Ich kann mir gut vorstellen, dass alle Gedichte, die in den letzten 15 Jahren von Menschen zwischen 14 und 30 geschrieben wurden, niemals von jemand anderem gehört oder gelesen wurden als von den Schreibern selbst.
07.05.2013, 14:03
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Ist der Inhalt eines Mediums immer ein anderes Medium? Egal, auf jeden Fall merke ich einen starken selbstreflexiven Bezug hier im Weblog seit ein paar Jahren. Sind ja auch nur ein paar Beiträge in den letzten Jahren. Oftmals geht es dann ums Schreiben hier im Weblog oder allgemein. Aber ich bin zufrieden damit, es soll wohl im Moment so sein. Ich bin auch zufrieden, weil Psychospaltung dadurch so unkaputtbar scheint. Psychospaltung taucht irgendwie immer wieder auf. Und sei es nur, um über sich selbst zu sprechen.
06.05.2013, 14:02
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Twitter ist für mich wirklich eine wichtige Adresse geworden. Nicht so sehr zum Folgen anderer Accounts – das auch – sondern mehr als Adresse für kurze Gedankenfetzen, die ich rauslassen möchte. Früher habe ich diese Gedankenfetzen immer als Überschriften oder Anstöße zu „mehr“ gesehen. Sie waren wie aufblühende Blumen, deren inneres Bouquet sich erst noch entfalten musste/sollte/könnte. Aber ich habe viel von dem überhaupt nicht geschafft aufzuschreiben und diese Gedanken kamen ins Stocken, es entstand ein Stau. So füllte ich Word-Dokumente mit kurzen Absätzen, manche auch länger als 140 Zeichen, und nahm mir vor irgendwann aus all diesen kleinen Gedanken mal große Texte zu stricken. Allein – ich habe es nie geschafft. Jetzt öffne ich diese Word-Dokumente und die Gedanken sind teilweise 6-7 Jahre alt und stauen sich immer noch da herum. Um all das einfach zu löschen, ist es mir zu schade. Dass ich das alles einfach nach und nach twittern könnte, darauf bin ich nie gekommen, obwohl ich nun auch schon eine ganze Weile bei Twitter angemeldet bin und dort auch viel schreibe. Hier kommen zwei schöne Sachen zusammen: meine Gedankenfetzen werden nicht verloren gehen, und ich kann eine erweiterte Meinung zu Twitter aufbauen: Twitter ist nicht mehr (und nicht weniger), als die Möglichkeit, in 140 Zeichen semantischen Mehrwert unterzubringen. Und das ist schon ziemlich viel.
27.03.2013, 14:00
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Was die Diskussion um angebliche „private Daten“ losgetreten hat, schlägt mir auf den Magen. Eigentlich wollte ich was Anderes schreiben und das anders formulieren, aber dazu fehlt mir gerade die Kraft. Heute Morgen blieb ich auf dem Weg zur Arbeit kurz stehen um ein Foto zu machen. Mein Motiv war aufgetürmtes Brennholz, fotografiert durch einen Maschendrahtzaun. Mein Motiv war: die Sonne schien so schön darauf, es sah hübsch aus. Ich zog mein Telefon aus der Tasche und fotografierte. Ich befand mich an einer Straße, dort fuhr ein Auto vorbei, der Fahrer schaute mich ängstlich-entgeistert-misstrauisch an. Was fotografiert der Mann da und was hat er möglicherweise mit dem Foto vor, sagte sein Blick. Welche Privatsphäre wird da gerade verletzt, sagte sein Blick. Ich verletzte niemanden, auch nicht das Brennholz. Die Diskussion um Privatsphäre, Instimsphäre, was alles mit Fotos geschehen kann, welche Daten mir „gehören“, hat ein Misstrauen entstehen lassen, das mindestens genauso schlimm ist wie das, was durch die Weitergabe dieser Informationen durch eine bestimmte Gruppe befürchtet wird. So trifft man auf Menschen, die vollkommen grundlos und unüberlegt vehement die Einstellung vertreten und verteidigen, es dürfe niemals nirgends und unter keinen Umständen ein Foto von ihnen im Internet auftauchen. Und auch Anschrift und Geburtsdatum scheint ein sehr hohes privates Gut geworden zu sein, dass man unbedingt schützen muss. „Mein Daten gehören mir“ tönt es überall, aber was von irgendwelchen Daten gehört überhaupt mir? Kann man das irgendwie besitzen? Und wenn etwas davon mir gehört, wieso soll ich das dann eigentlich nicht abgeben oder verbreiten dürfen? Der Focus titelte vor längerer Zeit mit einem Foto von Mark Zuckerberg und dem Satz: „Dieser Mann weiß alles über sie.“ Nach wie vor vertrete ich die Meinung, dass ein Leben sehr sehr arm sein muss, wenn Facebook mit den wenigen Möglichkeiten zur Freigabe von privaten Daten schon alles über mich wissen könnte. Dann sollte ich mir nicht über Facebook Gedanken machen, sondern darüber schleunigst was auf dem eigenen Leben zu machen.
Es geht mir überhaupt nicht darum, festlegen zu wollen, was privat und geheim und intim ist. Und daraus ableiten zu wollen, was geschützt werden muss. Es geht mir eher darum nachzufragen, woher eigentlich der Diskurs wissen will, was privat und intim ist. Woher kommt diese Gewissheit, dass die bei Facebook vorhandenen Daten mein Leben widerspiegeln könnten? Wo genau kommt diese Angst vor der Weitergabe von Daten her? Ich höre dann immer: „Ja, ich will nicht, dass man mich anruft und mir was verkaufen will. Ich will das einfach nicht.“ Gut, das ist vielleicht unangenehm, aber ist das wirklich eine Grundsatzdiskussion um Privatsphäre wert? Alles, was Facebook nicht von mir wissen soll und darf, könnten die auch gar nicht wissen, selbst wenn ich das wollte. Dieses Wissen könnte ich nur über eine seitenlange Statusmeldung preisgeben. Natürlich gibt es da Grenzen, natürlich müssen Kinder besonders geschützt werden, aber es werden hier durch die Diskussion Prinzipien mit Dampfwalzen ausgerollt, die es praktisch unmöglich machen, z.B. draußen noch ein Foto zu machen. Die, wenn man selbst nicht mitspielt, den Eindruck erwecken, man würde gewisse Dinge nicht mehr wertschätzen. Und das möchte ich mir ehrlich gesagt wirklich nicht vorwerfen lassen. Ich trüge einem Werteverfall Rechnung, weil ich mich auf Facebook öffentlich zeige. In einem gewissen Kreis kommt inzwischen das Kümmern um einen Facebook Account dem Sich-Nackt-Ausziehen auf dem Marktplatz gleich. Ich will mir diese trügerische Symmetrie der immer noch vorhandenen kritischen Theorie der Frankfurter Schule, die in diesem Herrschaftsdiskurs weiterwirkt, nicht mehr anhören müssen.
Es geht mir überhaupt nicht darum, festlegen zu wollen, was privat und geheim und intim ist. Und daraus ableiten zu wollen, was geschützt werden muss. Es geht mir eher darum nachzufragen, woher eigentlich der Diskurs wissen will, was privat und intim ist. Woher kommt diese Gewissheit, dass die bei Facebook vorhandenen Daten mein Leben widerspiegeln könnten? Wo genau kommt diese Angst vor der Weitergabe von Daten her? Ich höre dann immer: „Ja, ich will nicht, dass man mich anruft und mir was verkaufen will. Ich will das einfach nicht.“ Gut, das ist vielleicht unangenehm, aber ist das wirklich eine Grundsatzdiskussion um Privatsphäre wert? Alles, was Facebook nicht von mir wissen soll und darf, könnten die auch gar nicht wissen, selbst wenn ich das wollte. Dieses Wissen könnte ich nur über eine seitenlange Statusmeldung preisgeben. Natürlich gibt es da Grenzen, natürlich müssen Kinder besonders geschützt werden, aber es werden hier durch die Diskussion Prinzipien mit Dampfwalzen ausgerollt, die es praktisch unmöglich machen, z.B. draußen noch ein Foto zu machen. Die, wenn man selbst nicht mitspielt, den Eindruck erwecken, man würde gewisse Dinge nicht mehr wertschätzen. Und das möchte ich mir ehrlich gesagt wirklich nicht vorwerfen lassen. Ich trüge einem Werteverfall Rechnung, weil ich mich auf Facebook öffentlich zeige. In einem gewissen Kreis kommt inzwischen das Kümmern um einen Facebook Account dem Sich-Nackt-Ausziehen auf dem Marktplatz gleich. Ich will mir diese trügerische Symmetrie der immer noch vorhandenen kritischen Theorie der Frankfurter Schule, die in diesem Herrschaftsdiskurs weiterwirkt, nicht mehr anhören müssen.
18.03.2013, 13:58
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Was ist nach 10 Jahren Psychospaltung eigentlich anders als nach 6 Jahren, oder 4 Jahren oder 9 Jahren? Ich habe keine Ahnung. Im Moment ist sowieso schwierig für mich, da irgendeine Richtung vorgeben oder gar voraussagen zu können. Ich bin froh, nun schon 10 Jahre Psychospaltung hinter mir zu haben und dort verschiedene Phasen durchlaufen zu haben. Es gibt bestimmte Postings, die ich gar nicht mehr mag, und auch bestimmte Postings, auf die ich gerne verzichtet hätte. Das Weblog hat viele Rollen übernommen, vor allem die des Traumtagebuchs. Zwischendurch ging es auch viel um Musik und um Filme, aber seitdem ich da im Schreiben diesen unmöglich zu erreichenden Anspruch entwickelt habe, der immer den ganz großen Rahmen aufmachen und alles berücksichtigen will, schaffe ich das auch nicht mehr. Psychospaltung hat sich eigentlich als ein einziges Nicht-Schaffen oder Nicht-Erfüllen eines Weblogs bewiesen, aber das ist eben das Versuchen, das ich so sehr mag. Auf weitere 10 Jahre!
05.02.2013, 13:58
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