(Unknown) Comedy
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Ich wollte was schreiben über:
Ich würde gerne wissen, was ich gemeint hab, als ich in mein Notizbuch schrieb:
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Die aktuellen Spannungen in meiner Band verarbeite ich in meinen Träumen und heute Nacht träume ich, dass wir bei mir in meiner Wohnung sitzen und mein Kühlschrank ist voller jahrealter verschimmelter Lebensmittel und ich bin betrunken und im Hintergrund laufen Kassetten-Aufnahmen von uns und wir sitzen in einer Runde und hören sie uns an. Man hört warmes Kassettenbandrauschen, von dem ich total angetan bin. Die Anderen - außer A. - nicht so wirklich. Sie sitzen dort so nach dem Motto: naja, das hier sind die "Demos". Und irgendwann machen wir die "echten Aufnahmen". Für mich ist das - nicht nur im Traum - nicht so. Das Beste an den Aufnahmen: Zum Schluss hört man das, was vorher auf der Kassette war. Nämlich ein Album von Busta Rhymes. Der Beat seines Songs fügt sich genau in den Beat unserer Aufnahme ein und ich rufe laut aus: "Cool, das passt voll gut rein, das lassen wir so!" J. und ein Mädchen schütteln nur verständnislos den Kopf und sagen: "Nee, das lassen wir auf keinen Fall drin." Ich winke einfach resigniert ab und sage, dass ich die Aufnahme dann eben für mich persönlich behalte, aber eigentlich würde ich das genau so veröffentlichen. Traumgefühl und Wirklichkeit - sehr nah beieinander.

Hunde beißen mich oft in meinen Träumen. Und die beiden Hunde meiner kanadischen Verwandten bildeten da heute keine Ausnahme. Nachdem wir angekommen waren, und ich mich eigentlich schon mit ihnen angefreundet hatte, bissen sie mich als ich mit ihnen alleine war. Meine Verwandten freuen sich auch irgendwie, dass ich da bin, aber irgendwie ist es ihnen auch egal. Obwohl ich in Kanada bin, kann ich gar nicht so richtig abschalten, wir sitzen in einer alten muffigen Wohnung und von der wunderschönen kanadischen Landschaft sehe ich nur etwas durch einen dicken Gardinenvorhang. Außerdem sind wir später in einem Restaurant/Jugendherberge wo ich nur Leute aus E. treffe. Meinen alten Klassenlehrer, meinen alten Musiklehrer - der sich irgendwie ein altes Instrument gekauft hat, R. aus meiner alten Gemeinde... Kanada ist nicht so schön in meinem Traum.

Der andere Traum heute Nacht hat ebenfalls eine Anbindung an Kanada, denn ich interview Neil Young. Ich habe mich schlecht vorbereitet und sein Assistent beklagt sich, dass wir zu spät dran sind usw. Wir sitzen in einem Café und Neil Young weicht mehr oder weniger allen meinen Fragen aus und ist nur am Kichern. Ist er bekifft? Sein neues Album heißt "The Album's Creed" und ich stelle ihm dann noch die Frage: What is your favorite working place?

Hype Williams soll in dieser kurzen Abhandlung nur exemplarisch stehen für eine ganze Reihe an Künstlern, die in den letzten 2-3 Jahren unter dem Label Lo-Fi/Chillwave/Dubstep zu einem gewissen Underground-Ruhm gekommen sind - und die auch mich sehr begeistert haben.
Was mir gerade als relativ starkes Argument für die Popularität solcher Bands eingefallen ist, sind die Entscheidungen, die dort in elektronischer Musik getroffen werden. Bei vornehmlich elektronisch erzeugter Musik über alte Synthies, Sampler, Drumcomputer und Software ist es noch wichtiger als in anderen Musikrichtungen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Elektronische Instrumente verleiten dazu, viel herumzuspielen, viel auszuprobieren und der Versuchung der recht schnellen wohlklingenden Kompositionen zu erliegen. Garageband ist ein gutes Beispiel für eine Software, die es so gut wie jedermann möglich macht, sehr schnell ein gut klingendes Musikstück zu komponieren, auch eins das nach Indie oder Lo-Fi klingt. Die Presets sind da sehr vielfältig. Und was solls? Letztendlich würde ich ein Stück, das ich vorher gut fand, auch immer noch gut finden, wenn ich herausbekäme, das es mit Garageband erzeugt wurde.
Aber zurück zu Hype Williams: in der Musik von Hype Williams hört man zweierlei Sachen: 1. Die wiedergefundene Unschuld im Umgang mit Samplern und Synthies. 2. Die bewusste Entscheidung Leerstellen bestehen zu lassen.
Zu 1.: Moderne Mainstream-Synthiemusik will Synthies nicht wie Synthies klingen lassen. Dort ist alles perfekt abgemischt und gemastert. Das ist zumeist eintönig und eindimensional. Man prallt daran ab. Man hat keine Wahl und findet keinen Halt. Entweder man frisst was einem vorgesetzt wird oder man lässt es sein. In der Musik Hype Williams' - und der vergleichbarer Künstler - ist das nicht so. Hier sind die einzelnen Elemente nicht unbedingt so abgemischt wie man es erwarten würde (andere Frage für später: woher kommt die Erwartung?). Manches ist laut, manches ist leise. Außerdem sind viele der Samples bewusst nicht programmiert oder sequenziert sondern manuell mit der Hand eingespielt.
Zu 2.: Sampler und Software verleiten wegen ihres Wohlklangs - temperiert? - dazu, viele viele Spuren übereinander zu einem riesengroßen Brei aus Wohlklang werden zu lassen. Die Kunst in der Musik wie bei Hype Williams ist es, mehr Leerstellen zu lassen, minimalistischer zu sein, die Entscheidung zu treffen zu sagen: nein, ich nehme nicht noch eine Spur zur Soundfülle hinzu, sondern lasse auch einfach der Digitalität ihren Raum.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich im kommunisitischen China lebe und dort alles nur Mist ist. Ich lebe in einer Art Herberge, in der Punkmädchen herumlaufen, die in den Flur pinkeln und deren Urin dann in mein Zimmer läuft und meine Ledertaschen verschmutzt. Als ich die Punkmädchen in ihrem Zimmer zur Rede stellen will, sind sie plötzlich alle in Weiß gekleidet und nehmen ein Album auf. Ansonsten versucht man mein Auto zu sabotieren, indem man darin Werkzeug versteckt. Es gibt nur einen Kiosk in dem man etwas kaufen kann. Mein Freund G. versetzt mich, und ich kann nicht mit meinem Auto in der Stadt herumfahren, da ich mich nicht auskenne.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass man mir im Dome mein Samsung Galaxy Note geklaut hat. Das lief so: der Dome war nicht mehr der Dome, sondern ein Steinhaus inmitten eines Waldes. Dort ging ich auf die Toilette und fühlte mich von einem zwielichtig aussehenden Typen verfolgt. Er fragte mich etwas, ich holte mein Galaxy Note raus um ihm zu antworten und dann zog er ein Springmesser. Es gelang mir, ihn zu überwältigen und das Springmesser an mich zu nehmen, daraufhin trottete er ganz gemächlich zum Dome zurück. Ich wollte die Polizei anrufen, da fiel mir ein, dass sein Verhalten Teil eines noch größeren Plans war. Er wollte es so darstellen, als hätte ich ihm gewaltsam mit dem Springmesser das Smartphone abgenommen und ging jetzt gerade bei den Türstehern petzen. Also ging ich ebenfalls dorthin, in der Angst, man würde mich nun verdächtigen. Das tat man aber nicht, sondern schenkte meiner Geschichte Glauben. Dazu trug auch bei, dass ich das Messer offen in den Händen hielt, als ich meine Version der Geschichte erzählte.

Was mich an dem ganzen Trash-TV (und das ist ja eine Menge) in letzter Zeit am meisten nervt, ist das Anzeigen eines Bruchs oder eines Fehlers durch das Geräusch eine kratzenden Schallplattennadel. Wenn die Nadel so richtig übers Vinyl rutscht. Schrecklich diese Methodik. So ist das z.B. bei den Promi-News auf VOX zu hören, wenn zuerst die heile Welt einer funktionierenden Beziehung zwischen zwei Promis beschrieben wird, die aber dann den Bach runtergeht, weil der eine fremdgegangen ist. Das Geräusch wird dann eingesetzt, wenn die Off-Stimme von dem Seitensprung redet. Oder bei der Cash-Cow "Das perfekte Dinner", wenn sich irgendwie Beef zwischen den Kandidaten anbahnt und der Schnitt irgendwie schiefe Blicke eingefangen hat: wieder die kratzende Schallplattennadel. Zuerst einmal verstehe ich nicht, warum man annimmt, dass das für das Publikum noch das gängige Geräusch eines Fehlers ist. Ist die Schallplatte denn immer noch so ein gängiges Medium, dass jeder bei dem Geräusch gleich denkt: Aha, da stimmt was nicht? Da sitzt irgendwie ein zu alter Redakteur bei VOX rum. Der kennt noch Schallplatten? Der muss gefeuert werden!
Ich glaube aber eher, dass es dort gar nicht um die Fehlfunktion der Nadel gehen soll, sondern viel schlimmer - und das ist das was mich daran am meisten aufregt - das Schallplattensystem an sich ist der Fehler! Denn vorher und nachher ist gar keine Musik oder sonst eine Audioquelle zu hören, die durch das Kratzen aus der Ruhe gebracht sein könnte. Es geht darum, dass überhaupt so etwas Fehlerhaftes wie die Mechanik einer Nadel auf Vinyl existiert! Das kann nur zu einem Fehler führen oder einem - für die meisten Ohren - unangenehmen Geräusch. Dieses ganze unscharfe System einer durch Handbewegungen ausgelösten Musikmechanik ist Fehler.

Regelmäßig habe ich hier über Sigur Rós und über Sideprojects wie Riceboy Sleeps und Jonsis Soloprojekt geschrieben. Meine letzten Rezensionen (bzw. seit Takk) fielen überwiegend negativ aus. Vor allem der Vorgänger zu dem neuen am 28. Mai erscheinenden Album "Valtari" gefiel mir überhaupt nicht mehr. Sigur Rós hatten verpasst, ihre Musik nach "( )" weiterhin greifbar, texturell und spannend zu gestalten. "Með suð í eyrum við spilum endalaust" war meines Erachtens streckenweise vor Beliebigkeit unhörbar. Mit "Valtari" erscheint das erste Album seit 4 Jahren und vorab ist der Opener "Ekki Múkk" zu hören.
"Ekki Múkk" beginnt vielversprechend geheimnisvoll, öffnet einen sigurros-untypischen Soundraum mit relativ düsteren Elektronik-Klängen, die den Track interessant machen. Auch ist ein artifizielles Knacksen zu hören, als hörte man den Song von einer Platte (ich könnte mir auch vorstellen, dass das ein "echtes" Plattenknacksen ist). Doch nach 1 Minute (da fangen die Streicher schon an zu nerven) bzw. 2,5 Minuten (da kommt der erste "Höhepunkt") ist das auch schon wieder alles vorbei. Sigur Rós lassen die sigurros'sche Dynamik wie auf allen Alben auch hier wieder aufleben, teilweise wieder mit denselben Klängen wie auf den 3 Alben zuvor (man beachte wiederum die gepitchten Vocals wie sie auch schon auf "( )" und allen Folgealben zu hören waren). Es kaskadieren die Streicher, es haucht der Jonsi und fertig haben wir einen Sigur Rós Song.
Der Sound allgemein ist ein klein wenig näher als er auf "Með suð í eyrum við spilum endalaust" war, Jonsis Stimme klingt ein klein wenig rauer und abgenutzter als sie das auf seinem Soloalbum oder vorherigen Sigur Rós Alben klang, es sind ein klein wenig die Parameter verschoben, die Elemente sind jedoch dieselben wie sie das auch schon immer bei Sigur Rós seit "Takk" waren. Ich weiß eigentlich gar nicht, was der Bassist und der Schlagzeuger da in der Band noch wollen. Wahrscheinlich warten sie sehnsüchtig auf die Live-Konzerte. Hier scheint Jonsi das Zepter übernommen zu haben. Die beiden Höhepunkte in dem Song werden von Jonsis übereinandergelagerten und sich gegenseitig aus dem Klangweg schubsenden Streichern bestimmt, der Schluss des Songs ist ein schön ausklingendes Klavier, das sehr nah und mit allen Störgeräuschen aufgenommen wurde und dem Zeit zum Ausklingen gelassen wird.
Ich kann mich bei dem Opener von "Valtari" nur wiederholen: Sigur Rós ist eine Band, der man seit 7 Jahren beim Ausklingen zuhört. Das ist alles sehr schön, keine Frage, aber es ist eine sterile Schönheit, eine Blaupausen-Schönheit, wie eine kalte schockgefrostete Version von Sigur Rós. Wir hören uns seit 3 Alben Outtakes von "Agaetis Byrjun" und "( )" an, wir haben Live-Alben und Heimatfilme zu ertragen. Auf "Agaetis Byrjun" und "( )" hat es noch geknallt, da war eine Band zu hören, die vor Visionen sprühte, diese Visionen kamen im Stillen und in der Lautstärke zum Tragen, diese Dynamik ließ einen erzittern, man schüttelte sich vor Ergriffenheit. Jetzt schüttele ich mich nur noch vor Grausligkeit.

Je mehr eine Kunstform heute mit den Mechanismen der Erzeugung von Realität und Authentizität (und Natürlichkeit) spielt, desto angenehmer empfinde ich den Eindruck, den sie auf mich macht.

Es gab in meiner bisherigen Musikerfahrung kaum ein Erlebnis wie die beiden Live-Konzerte von Liturgy im AJZ in Bielefeld. Beim ersten Mal hatte ich noch keinen Ton der Band je gehört und auch die Bandmitglieder nie gesehen. Als sie dann die Bühne betraten, dachte ich die Roadies bauen jetzt die Instrumente auf und machen Soundcheck. Aber es waren nicht die Roadies. Sie hingen sich ihre Instrumente um bzw. setzten sich hinter das Schlagzeug, schauten sich ein paar Sekunden an und was dann passierte, werde ich meinen Lebtag nicht vergessen. Es brach eine Welle aus Krach aus den Lautsprechern der PA und von der Bühne über die 30 Zuhörer herab, die zur gleichen Zeit unglaublich intensiv und melodiös und doch extrem hart war. Dazu schrie der Sänger Hunter Hunt-Hendrix wie bei lebendigem Leibe verbrannt in das Mikro, blieb aber selbst vollkommen ruhig in der Gestik, ganz im Gegenteil: er schaute wie verträumt ein wenig zur Decke hinauf. Liturgy kommen vollkommen ohne Black Metal Attitüde aus und haben nur den Sound dieses Genres kultiviert und weiterentwickelt. Die Live-Konzerte waren eine körperliche und geistige Erfahrung gleichermaßen. Der Drummer Greg Fox ist leider nicht mehr Teil der Band, ihn habe ich bei beiden Konzerten als einen unverzichtbaren integralen Bestandteil des gesamten Kunstwerks Liturgy empfunden, vor allem weil er ja den von Hunter Hunt-Hendrix propagierten Burst Beat umgesetzt hat. Liturgy prägen so den Post Black Metal oder die Dritte Welle des Black Metal ganz maßgeblich mit, stehen vielleicht sogar dort an der Spitze.

20120308_184500blog Gestern habe ich mir bei dem Gitarrenmann, bei dem ich vor 18 Jahren auch meine Epiphone Les Paul gekauft habe, einen Original 60's Framus Body gekauft und werde jetzt offiziell mein Gitarreneigenbauprojekt starten. Als ich im letzten Herbst auf dem Musikerflohmarkt in Ibbenbüren war, hatte ich auch schon einige Teile für eine Gitarre in der Hand, legte sie aber alle wieder weg, weil ich wusste, dass ich in der Zukunft keine Zeit haben würde. Jetzt habe ich auch keine Zeit, aber diesen Korpus konnte ich gestern nicht liegen lassen, vor allen Dingen, weil er schon 50 Jahre alt ist. Es fügt sich mal wieder alles wie von selbst zusammen. Durch den Besuch gestern bei Paul kann ich jetzt mein schon lang gehegtes Projekt starten. Mal schauen, was mir als nächstes Teil über den Weg läuft. Ich brauche einen passenden Hals und passende Tonabnehmer, das ist das Wichtigste. Und dann noch die ganze Hardware dazu.

Alles nicht so einfach mit den verschiedenen Ebenen der Rebellion habe ich gestern so gedacht, als ich zdf.kultur geschaut habe. Eigentlich habe ich mich gefreut. Wie geil, habe ich gedacht, wie geil, dass es so einen Sender gibt. Und dann im nächsten Moment: Will ich das eigentlich? Will ich eigentlich einen coolen Sender haben, vor dem ich fett liegen kann und denken "Genau!"? Eigentlich nicht. Ich will ja selbst arbeiten. Ich will mir ja die Rebellion selbst zusammenbauen. Dafür muss ich gedanklich addieren und vor allem subtrahieren. Und dividieren. Und das kann ich nicht, wenn ich alles supi finde. Aber, könnte man einwenden, aber man kann sich doch einfach solidarisch zurücklehnen und mit zdf.kultur gemeinsam gegen das restliche Scheißfernsehen rebellieren? Okay, denke ich, okay dann muss ich mir die Frage stellen: Will ich hier nur auf Inhalte achten, oder geht es mir dann auch um die Struktur, Institution und den Apparatus Fernseher/Fernsehen? Ist das PER SE alles Dreck, einfach weil es Fernsehen ist und ich mich über zdf.kultur über dasselbe Prinzip nur mit einem Hipster-Anstrich verarschen lasse? Das weiß ich nicht. Aber ich bin misstrauisch. Ich kann der Coolness von zdf.kultur nur wenig trauen. Aber gut, wir haben es ja so gewollt. Jetzt können wir sehen, was wir in den 30ern noch mit unserer verkümmerten Rebellion machen.