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Regelmäßig habe ich hier über Sigur Rós und über Sideprojects wie Riceboy Sleeps und Jonsis Soloprojekt geschrieben. Meine letzten Rezensionen (bzw. seit Takk) fielen überwiegend negativ aus. Vor allem der Vorgänger zu dem neuen am 28. Mai erscheinenden Album "Valtari" gefiel mir überhaupt nicht mehr. Sigur Rós hatten verpasst, ihre Musik nach "( )" weiterhin greifbar, texturell und spannend zu gestalten. "Með suð í eyrum við spilum endalaust" war meines Erachtens streckenweise vor Beliebigkeit unhörbar. Mit "Valtari" erscheint das erste Album seit 4 Jahren und vorab ist der Opener "Ekki Múkk" zu hören.
"Ekki Múkk" beginnt vielversprechend geheimnisvoll, öffnet einen sigurros-untypischen Soundraum mit relativ düsteren Elektronik-Klängen, die den Track interessant machen. Auch ist ein artifizielles Knacksen zu hören, als hörte man den Song von einer Platte (ich könnte mir auch vorstellen, dass das ein "echtes" Plattenknacksen ist). Doch nach 1 Minute (da fangen die Streicher schon an zu nerven) bzw. 2,5 Minuten (da kommt der erste "Höhepunkt") ist das auch schon wieder alles vorbei. Sigur Rós lassen die sigurros'sche Dynamik wie auf allen Alben auch hier wieder aufleben, teilweise wieder mit denselben Klängen wie auf den 3 Alben zuvor (man beachte wiederum die gepitchten Vocals wie sie auch schon auf "( )" und allen Folgealben zu hören waren). Es kaskadieren die Streicher, es haucht der Jonsi und fertig haben wir einen Sigur Rós Song.
Der Sound allgemein ist ein klein wenig näher als er auf "Með suð í eyrum við spilum endalaust" war, Jonsis Stimme klingt ein klein wenig rauer und abgenutzter als sie das auf seinem Soloalbum oder vorherigen Sigur Rós Alben klang, es sind ein klein wenig die Parameter verschoben, die Elemente sind jedoch dieselben wie sie das auch schon immer bei Sigur Rós seit "Takk" waren. Ich weiß eigentlich gar nicht, was der Bassist und der Schlagzeuger da in der Band noch wollen. Wahrscheinlich warten sie sehnsüchtig auf die Live-Konzerte. Hier scheint Jonsi das Zepter übernommen zu haben. Die beiden Höhepunkte in dem Song werden von Jonsis übereinandergelagerten und sich gegenseitig aus dem Klangweg schubsenden Streichern bestimmt, der Schluss des Songs ist ein schön ausklingendes Klavier, das sehr nah und mit allen Störgeräuschen aufgenommen wurde und dem Zeit zum Ausklingen gelassen wird.
Ich kann mich bei dem Opener von "Valtari" nur wiederholen: Sigur Rós ist eine Band, der man seit 7 Jahren beim Ausklingen zuhört. Das ist alles sehr schön, keine Frage, aber es ist eine sterile Schönheit, eine Blaupausen-Schönheit, wie eine kalte schockgefrostete Version von Sigur Rós. Wir hören uns seit 3 Alben Outtakes von "Agaetis Byrjun" und "( )" an, wir haben Live-Alben und Heimatfilme zu ertragen. Auf "Agaetis Byrjun" und "( )" hat es noch geknallt, da war eine Band zu hören, die vor Visionen sprühte, diese Visionen kamen im Stillen und in der Lautstärke zum Tragen, diese Dynamik ließ einen erzittern, man schüttelte sich vor Ergriffenheit. Jetzt schüttele ich mich nur noch vor Grausligkeit.