Da, wo ich herkomme kennt man den Feieratg Die heiligen Drei Könige nur von einem Eintrag im Kalender und noch niemals nicht hat man gehört, dass man das irgendwie feiern kann. Da, wo ich jetzt wohne, ist dieser Tag ein weiterer Anlass für dumme jambaklingeltonherunterladende kaputte Kids, sich zu verkleiden herumzulaufen und zu raffgieren. Das schürt natürlich auch meinen Hass gegen Eltern, die ihren Kindern ja so gar nichts beibringen. Z.B., dass man wenigstens so tun soll, als gäbe es irgendeinen Sinn für dieses Verkleiden und Raffgieren, außer dem Verkleiden und Raffgieren. Ich war leider zu langsam, und bevor ich meine Fenster abhängen konnte, damit kein Kind in meine warme Stube lunzen kann, klingelte es an der Tür und vier (vier!) gelangweilte Jungs erzählten mir, sie würden Süßigkeiten für sich und Geld für die Flutopfer sammeln. Jetzt muss man richtig dumm sein, um nicht einfach zu sagen: "Tut mir leid, Kinder, ich bin ganz arm und hab gar kein Geld und auch nichts zu essen." Statt dessen gab ich ihnen Geld und Süßigkeiten. Hab ich denn jetzt auch wirklich für die Flutopfer gespendet, oder doch nur für die Väter dieser verzogenen Jungs, die dann nach Thailand in Urlaub fliegen oder die sich dann irgendwann davon einen VW Kombi oder Audi Kombi kaufen, damit sie mich halsbrecherisch an einem Feiertag morgens in einer Kurve überholen können, weil sie so unglücklich sind über ihr verpfuschtes Leben voller frustrierender Misserfolge. Apropos Thailand. Sri Lanka. Apropos Sri Lanka. Indonesien. Apropos Indonesien. Tsunami-Witze. Darf man die jetzt schon machen, oder noch nicht... Äh, oh, verdammt. Aber die Witze werden kommen. Hoffentlich. Die Witze sind nämlich die nächste Stufe nach der realistischen Betrachtung der Umstände für Menschen, die a) dort nicht gewesen sind, und b) dort niemanden verloren haben. Zeitgenossen und Treff machen das schon ganz gut vor.
[Edit: Damit ist nicht gemeint, die Beiträge der beiden geschätzten Blogger wären Witze.]
[Edit: Damit ist nicht gemeint, die Beiträge der beiden geschätzten Blogger wären Witze.]
06.01.2005, 16:19
zeitgenossen äußerte am 6. Jan, 18:08:
Neinnein,
das war nicht als Witz gedacht, sondern als Trauer. Trauer darüber, dass man die Menschen in den Lagern lassen wird, solange man Socken schicken kann.
Cut1977 antwortete am 6. Jan, 19:11:
Nein, bitte lesen Sie alle den Text richtig. Als erstes kommt die realistische Einschätzung aller Umstände dieser Katastrophe. Danach kommt der Ärger über falsche Aussagen, Berichterstattungen, Über- und Untertreibungen, penetrantes Wiederholen etc. Dann folgt das Entsetzen anderer über die eigenen Ansichten. Aus Resignation kommen dann die Witze. Humor als ganz normales Mittel, um Unbegreifliches/Ungreifbares zu verarbeiten.
zeitgenossen antwortete am 6. Jan, 19:15:
Aberaber,
hmpf, das ist nicht unbegreiflich, denn dann wär ja natürliches unbegreiflich. Und das, was daran nicht natürlich war, das ist unmenschlich, das meine ich.
Cut1977 antwortete am 6. Jan, 19:23:
Natürlich ist ja auch absolut unbegreiflich, weil unser alltägliches Leben zu wenig damit zu tun hat. Ihren zweiten Satz versteh ich nicht.
zeitgenossen antwortete am 7. Jan, 13:02:
Ich glaube es sollte was in der Richtung:
Welle= Natur=natürlich begreiflich, es war eine Naturkatastrophe, get over it oder schreib ne Bibel. Umgang damit, so zum Beispiel aus dem Glauben an eine absolute Sicherheit resultiert zu wenig Aufklärung, aus Hilflosigkeit resultiert Machbarkeitswahn, Ausdruck der Trauer ergibt Ekel, aus Handelsbeschränkungen reslutieren Arme, die dann am Strand leben müssen, und das macht mich wütend und traurig, weil = unmenschlich.
heissen.
lexi76 äußerte am 6. Jan, 18:20:
Mensch,...
...gut, dass Du mir den Tag nochmal in Erinnerung gerufen hast. Dann gehe ic nämlich noch nicht so früh nachhause...
erasmus von meppen äußerte am 9. Jan, 18:31:
Ich sag's mit Goethe: "Die hei'gen drei König' mit ihrem Stern, sie essen, sie trinken und bezahlen nicht gern...."