Müde von all den Stimmen zu dem Film „Der Untergang“ und dann leicht überzeugt von einer Kritik, die davon abriet, sich den Film anzuschauen (aber tun Kritiken das überhaupt noch? Ist nicht alles „sehenswert“, weil man es dann eventuell kritisieren kann?) drückte ich mich davor, mir einen Film anzuschauen, in dem Soldaten sterben würden, man wahrscheinlich Morde, Selbstmorde und andere Gräueltaten aneinandergereiht sieht, und völlig erdrückt von der Schwere der vergangenen Wahrheit aus dem Kino geht. Schlecht informiert bin ich immer noch, aber ich vermute mal, dass die Rekonstruktion der Ereignisse der letzten Wochen des 2. Weltkrieges und des Dritten Reiches maßgeblich auf den Erinnerungen der Personen aus dem „näheren Umfeld“ Hitlers beruht, die diese letzten Tage überlebt haben. Traudl Junge hat dieses Buch „Bis zur letzten Stunde“ geschrieben, das weiß ich, aber ob die anderen Bücher geschrieben oder Interviews gegeben haben, weiß ich nicht. Aber ich gehe davon aus, dass alle Ereignisse in dem Film wahr sind. Falls ich dumm bin, etwas nicht mitbekommen habe, bitte an dieser Stelle nicht mehr weiter lesen.
Ich schwafle jetzt die ganze Zeit schon ein bisschen um den Film herum, traue mich gar nicht richtig, meine Meinung dazu zu sagen, denn im Nacken sitzt einem natürlich der Tenor Deutschlands, dass man ja auf gar keinen Fall und sowieso und überhaupt. Der Film war brillant gedreht, das kann man einfach nicht anders sagen. Kamera, Schnitt, Erzähltempo, all das war mehr als solide, nicht so, wie man es von deutschen Filmen gewohnt ist. Die Schauspieler haben sich m.E. hier übertroffen, wobei ich aber Abstriche bei Alexandra Maria Lara und Corinna Harfouch machen würde. Alle Generäle, Offiziere und vor allem Bruno Ganz waren fabelhaft. Nach dem Anschauen des Films fragte ich mich dann, warum man sich denn aufgeregt hat, Hitler könnte zu „menschlich“ in dem Film rüberkommen, wobei „menschlich“ natürlich sehr schwammig formuliert ist, gemeint war von diesen Personen wahrscheinlich, dass man Hitler als gefühlvoll dargestellt hat. Wahrscheinlich regte es die Menschen auf, dass man in Versuchung kommen könnte, zu sagen: „Och, der Arme, jetzt weint er.“ Aber den Leuten, die bei jedem weinenden Menschen gleich Mitgefühl empfinden, bei jedem kleinen Tier gleich „Och, wie niedlich“ ausrufen, denen kann man eh nicht mehr helfen. Hitler weint, ja und? Hitler ist enttäuscht, weil sein Vertrauen missbraucht wurde, er trauert auch um seinen toten Köter, er kann nicht wahrhaben, dass seine Wahnvorstellung eines Dritten Reiches als Paradies für ihn und seine Vorstellung einer Weltbevölkerung den Bach runtergeht, ja und? Seine linke (?) Hand zittert, er ist dadurch „behindert“, ja und? Zu den Frauen ist er immer nett und freundlich, ja und? Muss ihn mir das zwangsläufig „näher“ bringen? Gerate ich in Gefahr zu denken: „Sein schöner Traum wird ihm von illoyalen Stümpern versaubeutelt?“ Wenn ich ein bisschen beschränkt wäre, schon. Aber ich hab doch die Kinokarte nicht gegen mein Gehirn eingetauscht, ich hab doch nicht alles, was ich vorher über das Dritte Reich und seinen Anführer erfahren habe, plötzlich vergessen. Dieser Film wirkt mehr wie eins von vielen Puzzleteilchen, das sich zu einem Gesamtbild des Wissens über diese Zeit einfügt, insofern es ein Gesamtbild geben kann. Bei Perlentaucher las ich so etwas wie: das bloße Abbilden dieser letzten Tage macht den Film so schlecht. Nee, eben nicht. Das bloße Abbilden macht den Film erträglich. Ich will keine Filme sehen, in denen man sich mit einer der Rollen identifizieren kann, damit man „mit fühlt“. Ich will Dokumentationen sehen, und „Der Untergang“ war nahe an einer Dokumentation. Dieser Film macht mehr als alles andere deutlich, wie verrückt Hitler war, OHNE dabei zu überzeichnen, wie es viele gerne hätten, damit man ja nicht auf die Idee kommt, ihr wisst schon.
Trotzdem habe ich viele der Darsteller in diesem Film einfach gerne spielen sehen, weil sie es verdammt gut können. Auch deswegen kann man ihn anschauen.
Sollte ich in diesem Text nachlässig gewesen sein, sollte ich jemanden irgendwie indirekt beleidigt haben, so tut mir das leid. So wie viele andere Filme, die sich mit vergangenen und aktuellen Kriegen auf der ganzen Welt befassen, wirkt dieser Film auf mich wie ein Antikriegsfilm. Und somit ist es ein wichtiger Film.
Ich schwafle jetzt die ganze Zeit schon ein bisschen um den Film herum, traue mich gar nicht richtig, meine Meinung dazu zu sagen, denn im Nacken sitzt einem natürlich der Tenor Deutschlands, dass man ja auf gar keinen Fall und sowieso und überhaupt. Der Film war brillant gedreht, das kann man einfach nicht anders sagen. Kamera, Schnitt, Erzähltempo, all das war mehr als solide, nicht so, wie man es von deutschen Filmen gewohnt ist. Die Schauspieler haben sich m.E. hier übertroffen, wobei ich aber Abstriche bei Alexandra Maria Lara und Corinna Harfouch machen würde. Alle Generäle, Offiziere und vor allem Bruno Ganz waren fabelhaft. Nach dem Anschauen des Films fragte ich mich dann, warum man sich denn aufgeregt hat, Hitler könnte zu „menschlich“ in dem Film rüberkommen, wobei „menschlich“ natürlich sehr schwammig formuliert ist, gemeint war von diesen Personen wahrscheinlich, dass man Hitler als gefühlvoll dargestellt hat. Wahrscheinlich regte es die Menschen auf, dass man in Versuchung kommen könnte, zu sagen: „Och, der Arme, jetzt weint er.“ Aber den Leuten, die bei jedem weinenden Menschen gleich Mitgefühl empfinden, bei jedem kleinen Tier gleich „Och, wie niedlich“ ausrufen, denen kann man eh nicht mehr helfen. Hitler weint, ja und? Hitler ist enttäuscht, weil sein Vertrauen missbraucht wurde, er trauert auch um seinen toten Köter, er kann nicht wahrhaben, dass seine Wahnvorstellung eines Dritten Reiches als Paradies für ihn und seine Vorstellung einer Weltbevölkerung den Bach runtergeht, ja und? Seine linke (?) Hand zittert, er ist dadurch „behindert“, ja und? Zu den Frauen ist er immer nett und freundlich, ja und? Muss ihn mir das zwangsläufig „näher“ bringen? Gerate ich in Gefahr zu denken: „Sein schöner Traum wird ihm von illoyalen Stümpern versaubeutelt?“ Wenn ich ein bisschen beschränkt wäre, schon. Aber ich hab doch die Kinokarte nicht gegen mein Gehirn eingetauscht, ich hab doch nicht alles, was ich vorher über das Dritte Reich und seinen Anführer erfahren habe, plötzlich vergessen. Dieser Film wirkt mehr wie eins von vielen Puzzleteilchen, das sich zu einem Gesamtbild des Wissens über diese Zeit einfügt, insofern es ein Gesamtbild geben kann. Bei Perlentaucher las ich so etwas wie: das bloße Abbilden dieser letzten Tage macht den Film so schlecht. Nee, eben nicht. Das bloße Abbilden macht den Film erträglich. Ich will keine Filme sehen, in denen man sich mit einer der Rollen identifizieren kann, damit man „mit fühlt“. Ich will Dokumentationen sehen, und „Der Untergang“ war nahe an einer Dokumentation. Dieser Film macht mehr als alles andere deutlich, wie verrückt Hitler war, OHNE dabei zu überzeichnen, wie es viele gerne hätten, damit man ja nicht auf die Idee kommt, ihr wisst schon.
Trotzdem habe ich viele der Darsteller in diesem Film einfach gerne spielen sehen, weil sie es verdammt gut können. Auch deswegen kann man ihn anschauen.
Sollte ich in diesem Text nachlässig gewesen sein, sollte ich jemanden irgendwie indirekt beleidigt haben, so tut mir das leid. So wie viele andere Filme, die sich mit vergangenen und aktuellen Kriegen auf der ganzen Welt befassen, wirkt dieser Film auf mich wie ein Antikriegsfilm. Und somit ist es ein wichtiger Film.
17.11.2004, 14:40
/ Im Kino (gewesen)
benni äußerte am 17. Nov, 14:49:
Menschlichkeit?
Ich glaube, mit „Menschlickeit“ ist eher gemeint, dass man dieses „ding“ Hitler, diese eigentlich ziemlich abstrakte Sache, personifiziert hat.Do you get my point?
Cut1977 antwortete am 17. Nov, 14:53:
Nein, ich gette deinen Point nicht.
antimaterie antwortete am 17. Nov, 20:19:
daß er auch gegessen und geschlafen hat. das kam für viele überraschend.
Cut1977 antwortete am 17. Nov, 20:35:
Vor allem, dass ihm Essen auch geschmeckt hat.
antimaterie antwortete am 17. Nov, 21:42:
eben. was empfindest du, wenn du hitler weinen siehst? es zerreißt dich.
Cut1977 antwortete am 18. Nov, 13:55:
Nein, es zerreißt mich nicht. In welche Stücke soll man denn zerrissen werden?
shhhh antwortete am 18. Nov, 14:10:
Hitler hat doch gar nicht
geweint. Das war Bruno Ganz...Ich hab den Film auch gesehen, und er hat mich schwer mitgenommen. Im nachhinein auch wegen der "Menschlichkeitskomponente", aber eher in Hinblick darauf, dass es erschreckend ist, dass vermeintlich "normale" Menschen so etwas wie den Holocaust ausführen. Und ich war richtig sauer, weil drei Lumpen hinter mir nach dem film irgendwas von wegen "Hier, der Koppschuss war aba cool!" sagten...
Was ich kacke fand war die Figur des Albert Speer. Wenn man da keine Ahnung von hat, denkt man nach "Der Untergang", Speer sei harmlos gewesen. War er aber nicht.
Ich finde aber immer noch, daß es wesentlich besseres "Aufklärungsmaterial" zum Thema "Wie waren die Nazis wirklich" gibt. Serdar Somuncus Lesungen zu Goebbels und Hitler zum Beispiel. Muss man mal gehört haben!
Cut1977 antwortete am 18. Nov, 14:21:
Ja, aber genau das ist ja die Frage: steht in irgendeinem Buch der Überlebenden, Hitler hätte geweint? Ich hoffe es doch. Wird es nur als filmisches Mittel eingesetzt, ist es scheiße, und somit der Film auch. Es fällt auch mir schwer, solch Störfaktoren wie "die drei Lumpen" hinter Ihnen auszublenden. Ich bin immer wieder von solchen Dummbatzen genervt.
shhhh antwortete am 18. Nov, 14:38:
Wenn ich mich
an Traudl Junges Buch recht erinnere, hat er wohl geweint. Aber auch da gibt's ja wieder andere Aussagen. Der Günsch oder wie der hieß, hat zum Beispiel in Interviews immer wieder betont, daß diese Exzesse am Schluß, eben diese Parties und so, daß das gar nicht stattgefunden hat. Aber auch da frage ich mich dann jetzt, drei oder vier Wochen nach dem ich den Film gesehen habe, welche Relevanz das eigentlich hat. Welche Relevanz der ganze Film hat, in Anbetracht der Tatsache, das 6 Millionen Juden und was weiß ich wie viele Menschen umgekommen sind. Ob's da einen Unterschied macht, ob man Hitler weinen sieht.Unter'm Strich ist ja auch nur der Film eine Sichtweise von vielen. Deshalb empfehle ich ja Somuncu, der einfach nur aus "Mein Kampf" vorliest - den Rest kann man sich denken, und dann mit dem Kopf schütteln. Guckense mal bei www.somuncu.de
Cut1977 antwortete am 18. Nov, 14:42:
Wie ich schon meinte, ist der Film für mich ein Puzzleteilchen, das mein Wissen um diese Zeit erweitert, und dabei vertraue ich auf den höchstmöglichen Wahrheitsgehalt des Films.